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„Wir bauen ein Dorf“

FOTO: Mengedoht

Dorsten (om). Unfassbar, was 15 Aktive hier schaffen: Seit 1979 bietet der Förderkreis Abenteuerspielplatz Wulfen bis zu 130 Kindern und Jugendlichen zwei Wochen lang einen Erlebnisurlaub direkt vor der Haustür. Obwohl letzteres nur begrenzt stimmt, denn das Angebot ist so beliebt, dass die Teilnehmer keineswegs nur aus Wulfen kommen, sondern auch aus den anderen Dorstener Stadtteilen, Reken und Haltern.

„Abenteuerspielplätze gibt es einige, aber wir sind wohl die einzigen, wo alles selbst gebaut wird“, glaubt Armin Tillner, seit 1995 Vorsitzender des Vereins. In der Tat ist das Programm von „Wir bauen ein Dorf“ sehr umfangreich. Zwei Wochen lang hämmern, sägen und basteln die Kinder von 6 bis 15 an ihren „eigenen“ Hütten, in denen sie in der zweiten Woche sogar einmal übernachten, mit Lagerfeuer, Nachtwanderung und Open Air-Filmnacht.

Das geschieht in Absrache mit den anderen Anbietern von Ferienspaßaktionen immer in den letzten zwei Ferienwochen. Bei gutem Wetter ist der Abenteuerspielplatz generell ab 15 Uhr geöffnet, im Ferienspaß von 10 bis 18 Uhr. „Wir wollen die Kinder beschäftigen, vor allem gilt unser Engagement sozial schwachen Familien, die sich vielleicht keinen Urlaub leisten können“, erläutert Tillner dem Sonntagsblatt.

Zum Baden haben die insgesamt 25 Vereinsmitglieder, von denen jedes Jahr rund 15 jeden Tag mithelfen, um die Rasselbande zu beschäftigen, ein großes Bassin errichtet, es werden T-Shirts gefärbt, an einem Tag geht es zu Schloss Beck, Schnipseljagd und Kinderolympiade sind weitere Aktivitäten. Trotz der vielen handwerklichen Arbeiten ist noch nie etwas ernsthaftes passiert. „Wir kennen unsere Pappenheimer“, ist Tillner überzeugt. Wenn ein Kind mit dem Hammer mal den Daumen statt des Nagels trifft, geht es gemeinsam zum Kinderarzt, aber die schlimmste Verletzung, ein gebrochener Knochen, ist beim Ausrutschen auf nassem Gras passiert – das hätte überall anders auch geschehen können.

„Alle hier sind Handwerker, jeder kümmert sich abwechselnd um bestimmte Aufgaben“, erklärt der zweite Vorsitzende, Martin Hermann, seines Zeichens Flugzeugbauermeister. Er wohnt unlängst in Hamburg und ist zur Zeit nach Toulouse abgestellt, aber in den Ferien kommt er nach Wulfen zurück und verbringt hier seinen Urlaub als Helfer. „Wenn dann so ein kleiner Krümmel völlig begeistert ist, ist das so ein Moment, der einen aufbaut“, erklärt Hermann. „Auch lustig: Wenn man nach den Ferien durch Wulfen läuft und von überallher rufen Kinderstimmen »hallo«.“

Wer viel baut, muss auch essen – und auch das machen die Wulfener Vereinsleute alles selber. Zwei Euro muss ein Kind für ein ordentliches Mittagessen zahlen, sonst ist alles kostenfrei und kommen kann jeder, auch ohne Anmeldung.

Aber: „Es wird immer schwieriger, an bezahlbares Holz heranzukommen, berichtet Vorsitzender Tillner. Holz und Baumaterial werden also immer dringend gesucht, „gerne nehmen wir auch die Abscharten von Baumstämmen“, erklärt er. Und nächstes Jahr müssen neue Spaten angeschafft werden. Spenden, Jugendamt und Vereinsbeiträge decken das nicht alles. Wer dem Verein mit einer Spende unter die Arme greifen will: Unter www.abenteuerspielplatz-wulfen.de und Tel. (02369) 1490 gibt es alle Infos.

Und auch zur großen Abschlussparty am heutigen Samstag mit Kinderdisco, Mini-Playback-Show, Ehrungen und Grillen ist jedermann eingeladen, abends gibt es Musik und Tanz für Eltern und Gäste.

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