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Vest (eib). Das höchste deutsche Gericht hat gesprochen. Und jetzt ist alles klar in Sachen Rauchen und Kneipen? Wahrlich nicht. Neuer Protest tut sich auf, Wirte raufen sich die Haare, Gäste sind irritiert und die Hertenerin Gastwirtin Martin Eskan spricht ein Machtwort: „Die Politiker, die das verbockt haben, wissen doch gar nicht, wie es in der Wirklichkeit aussieht.“
Der Spaß ist weg. Und die Gäste sind es auch. So einfach ist es in der „Ratsstube“ an der Langenbochumer Straße. Natürlich nicht völlig ohne Gäste, dafür ist die Chefin Martina Erkan viel zu lange im Geschäft, nämlich seit 30 Jahren. Aber sie will sich an die Gesetze halten und das bringt sie auf die Palme. Ihre Gäste wollen rauchen, und weil die „Ratsstube“ mehr als 75 qm hat, bietet sie hinten ein Raucherzimmer an. Doch wer will dahin? Anderswo sähen die Wirte bei Rauchern einfach weg. Manchen Stamm-Gäste grüßen sie auf der Straße nicht mehr: Ihnen ist es peinlich, dass sie jetzt „fremdgehen“.
Die Nichtraucherin sucht nach Lösungen: Soll ich einen Raucher-Klub machen? Die Stadt Herten habe gewarnt: Dann verlieren Sie Ihre Schankerlaubnis. Essen dürfte in einer Raucher-Kneipe auch nicht gereicht werden. Aber die in der Nachbarschaft bestellte Pizza ist erlaubt?
Martina Erkan regt sich auf: Warum suchten alle nach Tricks? Warum kann man nicht geradeheraus sein: Wer nicht rauchen wolle, solle doch einfach in eine Nichtraucher-Kneipe gehen. Bei ihr wollten die Gäste knobeln und trinken – und nicht zwischendurch auf eine Zigarette nach draußen gehen. Sie diskutiert mit den Gästen und die diskutieren mit ihr. Sie hält sich an das Gesetz – und die Gäste bleiben weg.
Kopfschütteln: Warum darf an „Brauchtumstagen“ wie Karneval, 1. Mai und Silvester geraucht werden? Und warum dürfen Jugendliche unter 18 nicht mit ihren Eltern in die (Raucher-)Gaststätte. Und zu Hause mischt sich keiner ein, wenn die ganze Bude im Qualm steht?
Die Gäste sind nervös geworden. Statt entspanntem Zuprosten gibt es Hektik: Wieso kann sich ein Hartz-IV-Empfänger noch eine Schachtel Zigaretten leisten? Muss das sein?
Dazwischen schäumt die Wirtin: „Ich kann doch keine Gäste zum Rauchen nach draußen an den Straßenrand schicken. Da stehen sie dann wie Gallionsfiguren. Das ist doch unzumutbar. Und wie soll das erst im Winter werden?“
Die Gemütlichkeit ist hin. Sparfächer werden nur auf die Schnelle gefüllt – und weg sind die Raucher. „Ich halte mich an die Gesetze. Und ich kriege einen Tritt in den Hintern.“ Wenn sie die Augen zudrückt, dann sei vieles einfacher. Aber das will sie nicht. Sie ist mit Leib und Seele Wirtin. Und zwar eine korrekte.
„Die Politiker sollen doch mal an den Tresen kommen. Aber die sitzen in ihrem Glashaus und haben Schiss vor ihrem Volk.“ Ein wenig Hoffnung hat sie noch, dass sich der gesetzlich verordnete Raucherschutz am Ende in Luft auflöst. Gäste und Wirte müssten sich nur dafür deutlich zu Wort melden. Ihre Stimme hätte die neue Bewegung schon.

