Marl (eib). Über die Zukunft des insolventen Marler Computer-Herstellers Maxdata wird mit zwei Interessenten verhandelt. Das bestätigte Insolvenzverwalter Dr. Winfried Andres. Vorläufig geht der Betrieb weiter, die Gehälter für die nächsten beiden Monate sind nach Auskunft des Arbeitsamtes gesichert. Kündigungen wurden keine ausgesprochen.
Zur Höhe der Forderungen wollte sich der Insolvenzverwalter sich nicht äußern – in der Bilanz von 2007 hatten sich die Verluste auf mittlerweile fast 130 Millionen Euro summiert.
Wer kann ein Interesse an einem Verlustbringer haben, der es seit Jahren mit einer breiten Palette von Strategien nicht geschafft hat, den roten Bereich zu verlassen? Mitbewerber am Markt, erklärt Dr. Andres, die beispielsweise ihre Wertschöpfungskette verlängern wollen. Anbieter, die weltweit tätig sind und auf diese Weise in Deutschland und Europa Fuß fassen wollen, ohne in jahrelanger Arbeit ein eigenes Netz aufbauen zu müssen. Hersteller, die den Computerbauer Maxdata als weitere, zusätzliche Produktlinie in ihrem Angebot gebrauchen können.
So sei es denkbar, dass das ganze Unternehmen weiterlebe. Aber auch, dass es zerschlagen werde und die Teilbereiche bei verschiedenen Interessenten „unterkommen“. Schließlich gelten die Namen „Maxdata“ und „Belinea“ als eingeführte Marken mit Wert.
Die Standorte Marl und Würselen würden aus Kostengründen nicht zusammen geführt, so Dr. Andres. Am einen Standort würden ausschließlich neue Computer gefertigt (Würselen), am anderen gehe es um den Service (Marl). Und der Service werde weiter aufrecht erhalten, alle Garantiefälle würden vertragsgemäß abgewickelt, alle Reparaturen außerhalb der Garantie ebenfalls ausgeführt. Den Käufern würden keine Nachteile entstehen.
Ob die Gespräche mit den beiden Interessenten erfolgversprechend seien, ließe sich in zwei Wochen erkennen, so Dr. Andres.
Gleichzeitig legen sich Marls Politiker ins Zeug, um dem Unternehmen Überlebenshilfen zu geben. Dazu gehören beispielsweise Gespräche mit der NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben.
Unmittelbare finanzielle Vorteilte hatte die Stadt übrigens von ihrem Vorzeige-Unternehmen schon seit Jahren nicht mehr. In den Expansions-Jahren war die Gewerbe-Ertragssteuer außerordentlich geringe, seit 2005 waren gar keine Steuern mehr gezahlt worden.
Maxdata-Gründer Holger Lampatz, der nicht mehr an seiner Firma beteiligt ist, engagiert sich derweil im Sport. Ende Mai wurde er Präsident des Gelsenkirchener Golf-Clubs Haus Leythe und hat dort mit erheblichen finanziellen Problemen zu kämpfen.

