
Dorsten (eib). Selbstbewusst ist sie. Und zielsicher. Und natürlich erfolgreich. Dabei ist Vera Seedorf erst 14 Jahre alt. Doch wenn es um das Thema Musik geht, dann wird sie gleich deutlich älter. Dann ist sie halt Profi.
Der Anstoß zur Musik war typisch kindlich. Als sie mit knapp vier Jahren im Zirkus die Musiker sah und hörte, da erklärte sie spontan: „Das will ich werden.“ Heute, zehn Jahre später, darf man das nicht mehr wörtlich nehmen. Zirkusmusik ist das ja nicht, was sie macht, wofür sie täglich übt und was sie später einmal als ihren Beruf sieht. Sie spielt „Marimba“, ein Schlaginstrument aus der Familie der Xylophone.
Und das ausgezeichnet. Was man wörtlich nehmen darf, wenn man die Erfolge beim Wettbewerb Jugend musiziert sieht, bei dem sie schon zweimal auf dem ersten Platz landete.
Bis dahin war es ein trainingsreicher Weg. Zunächst wartete die Familie, wie sich den der Spontanwunsch aus dem Zirkus weiter entwickelt. Vera blieb hartnäckig und kam in die Musikschule Dorsten. Dort stelle sie sich vor und fand die richtigen Lehrer, am Drumset ging es los. Schon bald riet man ihr zu einer intensiven Förderung.
Mittlerweile wird sie seit drei Jahren an der Folkwang Musikschule in Essen unterrichtet, steckt in der Begabtenförderung. Was zum Beispiel heißt, dass die Unterrichtszeit doppelt so lange ist.
Was aber kein Problem ist. Lernen und Üben ist ihr keine Qual. Die 9. Klasse am Kirchhellener Gymnasium bringt sie gerade erfolgreich zu Ende. Ob sie eine gute Schülerin ist? Vera Seedorf strahlt zufrieden: „Ja.“ Also macht es ihr keine Mühe, den strammen Tagesplan zu bewältigen: Schule, Hausaufgaben, Üben und Musikunterricht. Für ein weiteres Hobby ist da kein Platz mehr. Warum auch. „Eigentlich will ich gar nichts anderes machen.“
Eine ordentliche Ausbildung ist ihr wichtig, hakt ihre Mutter Vivian ein. Auch wenn die jüngste Tochter einmal Schlagzeug studieren und Berufsmusikerin werden will. Das mit der Musik ist ihr ein wichtiges Stück Ausbildung. Und es gehört geradezu zur Familientradition: Veras Opas spielten Ziehharmonika und Klavier, die Mutter Klavier und Trompete, der kleine Bruder Geige und die große Schwester Klavier. Das fördert Toleranz, wenn beispielsweise gleich zwei ihre Übungseinheiten absolvieren – und sich nicht vom anderen gestört fühlen.
Aber es geht ja nicht in erster Linie ums Üben, es geht ums Spielen, um öffentliche Auftritte. Deshalb ist die junge Musikerin auch im Jugendsymphonieorchester Essen, dort ist sie die Pauke. Oder die Musikschüler geben Konzerte. Allerdings ist „ihr“ Instrument nicht so häufig vertreten. Es ist das Nationalinstrument von Guatemala und kommt ursprünglich aus Afrika und heute ist es besonders in Japan verbreitet, wo es die berühmtesten Musiker gibt.
Also alles zusammen eher eine exotische Angelegenheit, mit der sich Vera Seedorf einmal einen Namen als Solistin machen will.
Am 9. Juni zeigt sie in Dorsten, was sie kann. „Löwengleich und Mondenschön“ heißt eine Lesung mit Gedichten zu Liebe, Lust und Leidenschaft, die die Dorstener Künstlerin Regina Schumachers rezitiert. In den Pausen spielt Vera Seedorf Marimba. Der Erlös der Benefizveranstaltung bei Passmanns (Im Harsewinkel 23, ab 20 Uhr) ist für das Friedensdorf Oberhausen bestimmt.

