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Oer-Erkenschwick (mc). Fast genau 20 Jahre ist es nun her, da war Waltraud Honvehlmann zum ersten Mal in ihrem Leben „schicker“, wie sie selbst sagt. Und das im zarten Alter von 37 Jahren. Zuvor hatten zahlreiche Gratulanten der ehemaligen Markthändlerin zum gelungenen ersten Weihnachtsmarkt in Oer gratuliert. „Da musste ich hier mit einem Obstwässerchen und da mit einem Kirschwasser anstoßen“, erinnert sich Honvehlmann. Aber glücklich war sie, dass alles gut über die Bühne gegangen war. Heute gilt der Oerer Weihnachtsmarkt als einer der schönsten und romantischsten im Kreis.
„Ich habe mich damals in der Werbegemeinschaft weit aus dem Fenster gelehnt“, erzählt die Markthändlerin, wie sie zu „ihrem Job“ kam. Die resolute Geschäftsfrau fragte, warum denn nicht Händler aus der Werbegemeinschaft einen Weihnachtsmarkt beschicken sollten. „Ich hatte damals einen Marktstand mit Blumen, Obst und Gemüse und dachte, das könnte ganz gut passen.“
Plötzlich stand sie in der Verantwortung und der Pflicht, denn die Werbegemeinschaft beschloss: „Dann mach´ Du das mal.“ Dank ihrer Kontakte und der Kollegen war dann nach vielem Hoffen und Bangen der erste Weihnachtsmarkt gelaufen und es stand fest: „Wir machen weiter.“ Nach und nach verschwanden die Händler und das Kunstgewerbe kam.
Zehn Jahre lang machte Waltraud Honvehlmann weiter ihren Wochenmarkt auf dem Hünenplatz und den Weihnachtsmarkt. Dann kam der Zeitpunkt, an dem sie sich entscheiden musste. „Da habe ich mein zweites Standbein zum ersten gemacht und mich auf die Märkte konzentriert.“ Inzwischen sind es 18 bis 20 eigene Veranstaltungen, die sie gemeinsam mit ihrer Tochter Annette Haas und Sohn Peter betreut.
Für die zweifache Großmutter sind die Märkte ein Innehalten, ein Sich-erinnern und Familienglück. „In diesem Beruf braucht man viel Fingerspitzengefühl und Gelassenheit. Schließlich wird man auch mal als »dumme Planschkuh« beschimpft.“ Doch viele fröhliche Momente entschädigen. Wenn sie beispielsweise an den kleinen Jungen denkt, der rebellisch nach Ketchup für seine gezuckerten Reibekuchen verlangt, grinst sie immer noch. „Die hat er ohne eine Miene zu verziehen verputzt“, schmunzelt Honvehlmann.
Der Bogen auf ihren Märkten ist weit gespannt. „Das kann von den Wikingern bis in die Neuzeit gehen.“ Jetzt hat sie erst einmal Spargel-und Bauernmärkte und Sommerfeste zu organisieren. „Aber, wenn Erntedank vorbei ist, ist schnell der Martinimarkt und dann schon wieder Weihnachtsmarkt.“

