Wittke (l.) im Gespräch mit dem zu Tränen gerührten Bergerhoff. FOTO: Mengedoht
Marl (eib). Mehr als 200 neue Wohnungen entstehen in Drewer-Süd, davon 150 Eigenheime. Mit dem ersten Spatenstich für die Gartenstadt feierten Stadt und Land das Projekt, das für Marl nun einen Meilenstein setzt: Es ist die Ersatz-Siedlung für die Schlenke, die der Westerweiterung des Chemieparks weichen muss. Und es ist eine kleine Stadt im Grünen, die mit günstigen Grundstückspreisen Marl eine neue Attraktivität bringen soll.
Auch Werner Bergerhoff, der Vorsitzende des Mietervereins Schlenkesiedlung, nahm einen Spaten in die Hand. Neben ihm Bürgermeisterin Uta Heinrich und NRW-Bauminister Oliver Wittke. Doch das Bild trügt. Bergerhoff kämpft noch immer um seine Siedlung: Eine Normenkontrollklage (ob das Verfahren rechtlich korrekt abgelaufen ist) soll im September verhandelt werden. Eine Feststellungsklage bezieht sich auf die Zusage, dass Bergleute lebenslanges Wohnrecht in der Schlenke haben.
Insgesamt 50 Mieter warten darauf, im Frühjahr 2009 in ihre neuen Häuser einziehen zu können. Bergerhoff und seine Nachbarn freuen sich nicht – sie müssen zu viel Liebgewonnes aufgeben. Von den 29 Reiheneigenheimen hat Evonik zwei noch nicht gekauft – die beiden Besitzer weigern sich vehement, ihre Häuser aufzugeben.
Die Realisierung der neuen Gartenstadt in Drewer war nicht einfach. Bei einem Wettbewerb stellte sich heraus, dass der erste Preis nicht realisierbar war – zu teuer. Statt dessen wurde ein günstigerer Vorschlag genommen, gleichzeitig setzte sich der Bauminister persönlich für 800.000 Euro zusätzlicher Landesmittel ein (er ist in Marl geboren), Evonik-Immobilen erließ beim Grundstücks-Kaufpreis 400.000 Euro, die Stadt Marl steuerte 200.000 Euro bei und die Neuma, die die 64 Mieteinheiten errichtet, verzichtete zum Teil auf Erträge.
Nun also ging es los: Zunächst mit den zwölf Doppelhaushälften, in Kürze mit den elf Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 52 Wohnungen – alle mit viel Grün umgeben, mit Mietergärten, Spielflächen und Lauben für Fahrräder und Gartengeräte (weil es keine Keller gibt).
Wann die Schlenke-Siedlung abgerissen wird, ist noch nicht bekannt. Auch nicht, welches Unternehmen sich dort ansiedeln will.
Vor einigen Jahren noch war dringender Handlungsbedarf angemahnt worden. Damals wurde mit 2.000 neuen Arbeitsplätzen geworben. Davon ist heute nicht mehr die Rede, lediglich von einer Bestandssicherung der Chemiepark-Arbeitsplätze.
Gleichwohl feierten der Minister und die Bürgermeisterin den Spatenstich als einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des Chemie-Standortes Marl.

