
Recklinghausen. Wenn vor der Surker Tenne in Suderwich eine flennende Witwe nebst Pastor und Mitstreitern vor einem lodernden Scheiterhaufen steht und dies am Aschermittwoch stattfindet, dann weiß nicht nur das närrische Volk: der Bacchus wird verbrannt. Dieser war der römische Gott des Weines und wie sein griechischer Kollege Dyonisos wohl ein großer Zecher vor dem Herrn. Und bekanntlich spucken die Karnevalisten ja auch nicht in die alkoholischen Getränke, mit denen sie sich während der tollen Tage für die Fastenzeit stärken.
„Wir pflegen dieses Brauchtum seit 1954“, erzählte Olliver Peine, stellvertretender Vorsitzender von „Aolt Surk“.
Getroffen hatte sich die Trauergemeinde am alten Kirchplatz, dort, wo früher noch die Kornbrennerei während der Messe heimlich den Schnaps durch ein Fenster reichte. Der Startpunkt war also der Sache angemessen. Dann zog der Narrenzug mit dem selbstgebastelten Bacchus zur Tenne, um ihr Werk zu vollenden. Es versteht sich von selbst, dass das anschließende traditionelle Fischessen mit einer Fassleerung verbunden wurde – natürlich dem Weingott zu Ehren.

