
Bild:Der Bau der CWH hat begonnen. So sah es 1938 aus.
Marl. Der 9. Mai 1938 war der entscheidende Tag: In Frankfurt am Main gründeten die IG Farben und die Bergwerksgesellschaft Hibernia die Chemischen Werke Hüls GmbH (CWH) mit Sitz in Marl. Die rasante Entwicklung Marls als Bergbaustadt wurde noch einmal beschleunigt.
Schon ein Jahr zuvor war die strategische Entscheidung für den Standort Hüls gefallen und gegen einen Alternativ-Standort an der Elbe.
Am nördlichen Ruhrgebiet sollte das Lichtbogenverfahren im zweiten Buna-Werk (nach Schkopau) eingesetzt werden. Dafür brauchte man gasförmigen Kohlenwasserstoff, der im Hydrierwerk Scholven als Abgas anfiel. Außerdem konnte Auguste Victoria (Tochter der IG Farben) ausreichend Kohle zur Verfügung stellen. Das Gelände wies geringe Höhenunterschiede auf, Frisch- und Abwasserversorgung waren durch Lippe und Kanal garantiert, das Gebiet war bereits durch AV erschlossen.
Günstig war auch, dass das Vest Recklinghausen durch „hohe wirtschaftliche Rückständigkeit“ gekennzeichnet war und das „Notstandsgebiet“ Dorsten durch das neue Bunawerk entlastet werde, hieß es in einem internen Memorandum. All das war so attraktiv, dass auch mögliche Bergschäden durch die Zeche Brassert in Kauf genommen wurden.
Die Bauarbeiten begannen mit der Rodung des Geländes am 16. Mai 1938, im selben Monat startete auch der Bau der Ferngasleitung von Scholven zum CWH-Gelände. Im Mai 1940 wurde das Kraftwerk in Betrieb genommen, die ersten Buna-Ballen wurden im Juni 1940 verladen.
Chemie und Bergbau vertrugen sich zunächst nicht. Die Belegschaften verglichen Löhne und Sozialleistungen, sahen das Kameradschaftshaus der CWH und die neuen, modernen Wohnungen, Werksfürsorge und Feierabendgestaltung.
Aus der CWH ist mittlerweile der Chemiepark geworden, der immer weiter wächst. Der Bergbau schließt in Marl Ende 2015.
Übrigens: Den Namensbestandteil „Hüls“ erhielt das Unternehmen, weil der Sitz des beteiligten Bergbauunternehmens Hüls war (existierte bereits als Ortschaft, in Drewer gab es keine Bebauung). Mit der Namensgebung preschte AV-Bergdirektor Stein vor, der sich damit profilieren wollte. Die Geldgeber interessierten sich nicht für die Namensgebung und nahmen keinen Einfluss.

