Vest. Die Medienlandschaft im Vest ist seit Monatsbeginn kräftig umgekrempelt. Doch die Beteiligten sagen kein Wort dazu: Seit dem 1. Mai liefern das Zeitungshaus Bauer (Marl) und die Ruhrnachrichten ihre Artikel aus sieben Städten direkt an die WAZ weiter, die daraus eigene Städteseiten macht. Die Vest-Redaktion der WAZ ist geschlossen.
1948 gehörte die WAZ in Recklinghausen zu den Gründungsstädten der Ruhrgebietszeitung. 2007 kam die große Zusammenfassung von Recklinghausen, Marl, Herten, Haltern, Waltrop, Datteln und Oer-Erkenschwick zur Vest-Redaktion mit 31 Redakteuren – zuletzt waren es noch acht. Die mehrfach betonte „lokale Offensive“ fand überall statt, im Vest wurden kontinuierlich Redakteursstellen abgebaut. Die Präsenz sei nicht rentabel, so der Konzern. Die Angestellten kamen in anderen Redaktionen unter.
Doch um die Schließung wirtschaftlich zu machen, muss sich die WAZ auch von Redakteuren trennen. Es seien erstmals seit Bestehen der WAZ betriebsbedingte Kündigungen möglich, so heißt es. Die Möglichkeiten der freiwilligen Abkehr und der Altersteilzeit sind ausgeschöpft. Mancher 60-Jährige geht nur noch seinem Hobby nach.
Und sogar noch mehr Konsequenzen seien denkbar: Auch die Redaktionen in Castrop-Rauxel und Dorsten stünden auf der Kippe. In Dorsten könnten die lokalen Nachrichten von den Ruhr-Nachrichten geliefert werden, in Castrop-Rauxel von der konzerneigenen Westfälischen Rundschau. Als einzige eigenständige Redaktion im Kreis bliebe dann noch Gladbeck. Dort hat die WAZ keine Konkurrenz.

