Von Stefan Laurin
Vest. Es sah ganz so aus, als ob Landrat Jochen Welt (SPD) etwas gelingen würde, was anderen Politikern nicht vergönnt ist: Ein Ausstieg aus der Politik in Würde. Schon vor knapp einem Jahr hatte er öffentlich erklärt, nicht mehr für das Amt des Landrats zu kandidieren. „Ich will“, sagte Welt damals, „noch einmal etwas anderes machen.“ Nach weiteren sechs Jahren im Amt könnte es dafür zu spät sein.
In der letzten Woche kristallisierte sich heraus, was dieses „andere“ sein könnte: Ein Ausbildung zum Heilpraktiker (wir berichteten). Das alleine ist für einen Sozialdemokraten, eigentlich eine der Idee der Vernunft verpflichtete Partei, peinlich. Die staatliche Prüfung versucht, das Schlimmste zu verhindern: Sie prüft „dass die Ausübung der Heilkunde durch Sie keine Gefahr für die Volksgesundheit bedeuten würde“, so die Internetseite des Kreises.
Doch nicht nur dass Welt sich möglicherweise einen eher obskuren Beruf zulegen wollte, es ging dabei wohl auch nicht mit rechten Dingen zu. Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt gegen Welt und mindestens einen Mitarbeiter der Kreisbehörde wegen des Verdachtes auf Untreue. Ein Anfangsverdacht, so der Sprecher der Bochumer Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek, sei gegeben.
Welt soll demnach genau wie ein weiterer Mitarbeiter versucht haben, die Kosten von Unterrichtsmaterial und Seminaren erstattet zu bekommen. Der Anwalt von Jochen Welt, der Marler Siegmund Benecken, rechnet damit dass das Verfahren in gut zwei Wochen erledigt ist. Auf Betreiben von Welt selber, der um seine Reputation bemüht ist, prüft auch die Bezirksregierung in Münster, ob er sich korrekt verhalten hat. Zugleich hat Welt ein Verfahren gegen die Mitarbeiter der Kreisverwaltung eingeleitet, welche die Informationen über ihn und einen weiteren Verdächtigen an die Staatsanwaltschaft weiter gegeben haben.
Während die CDU nun vom Kreistag das Verhalten Welts überprüft wissen will, geht die SPD auf Distanz zu ihm: Auf dem Kreisparteitag am Donnerstaf durfte Welt schon nicht mehr sprechen. Landratskandidat Cay Süberkrüb ist nach Berichten „stinksauer“ über das Hochkommen des Themas. Seine Chancen, nach der Wahl weiterhin Kämmerer in Herten zu bleiben, sind wieder gestiegen. Die, Nachfolger Welts im Landratsamt zu werden, wohl gesunken.

