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SPD rüstet ab: Entinger geht, Fragemann bleibt

Zurückgetreten: Carsten Entinger.

Dorsten (eib). Der radikale Umbruch in der SPD geht weiter: Der Stadtverbandsvorsitzende Carsten Entinger hat seinen Rücktritt erklärt, am Mittwoch auch das Amt als Ortsvereinsvorsitzender niedergelegt. Ein alter Kämpe soll wieder Ruhe bringen, der Rhader Ortsvereinsvorsitzende Hans-Willi Niemeyer. Bürgermeisterkandidat ist Dr. Hans-Udo Schneider. Das Sonntagsblatt sprach mit Carsten Entinger über den seit Monaten dauernden Streit (das Sonntagsblatt berichtete).

Warum sind Sie zurückgetreten? Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Friedhelm Fragemann wirft Ihnen Führungsschwäche vor.

Entinger: Ich hatte ein gutes Team, das inhaltlich arbeiten wollte. Und wir haben unsere Aufgaben erledigt, auch die Vorauswahl des Bürgermeisterkandidaten. Mehr will ich nicht sagen, ich will kein Öl ins Feuer gießen. Aber meine Schmerzgrenze war erreicht.

Wird jetzt wieder das Mäntelchen des Schweigens über die Probleme gelegt? Wie in den Monaten zuvor?

Entinger: Ja.

Wenn wieder Ruhe in die Partei einziehen soll, müssen dann nicht beide Seiten aufeinander zugehen? Warum gibt es personelle Konsequenzen nur auf einer Seite?

Entinger: Das muss jeder für sich entscheiden. Ich bleibe nur bis zur nächsten Wahl im Rat. Friedhelm Fragemann tritt wieder an.

Er will Fraktionsvorsitzender werden. Und was machen Sie?

Entinger: Ich ziehe mich komplett aus der Politik zurück und werde meine Freizeit genießen. Aber ich glaube, die Partei wusste, was sie an mir hatte.

Ihr designierter Nachfolger, der in November offiziell gewählt wird, kommt aus der alten Parteiriege. Warum niemand aus dem Nachwuchs?

Entinger: Die Jungen haben es auf die Spitze getrieben. Vielleicht gehöre ich mit meinen 38 Jahren auch noch zu den Jungen. Hans-Willi Niemeyer hat das volle Vertrauen des Vorstandes, das Schiff SPD wieder in ruhige Gewässer zu lenken. Er stand immer für einen Konsens.

Warum wurde der Name des Bürgermeister-Kandidaten so lange zurückgehalten, obwohl er doch kein Geheimnis mehr war?

Bürgermeisterkandidat: Hans-Udo Schneider.

Entinger: Das ist ein langwieriger Prozess, in dem viele Fragen zu klären sind, wenn eine Partei in zwei Lager gespalten ist. Vorher wollten wir nicht in die Öffentlichkeit gehen.

Gab es mehrere Kandidaten?

Entinger: Es wurden zunächst mehrere Namen genannt, doch es war ganz schnell klar, dass es auf Hans-Udo Schneider zulief.

Steht er jetzt auch im Spannungsfeld der konkurrierenden Gruppierungen?

Entinger: Nein. Er war nie in den Streit involviert und ist seit vielen Jahren in der Bevölkerung hoch geachtet.

Und wie geht es jetzt weiter?

Entinger: Alt-Bürgermeister Heinz Ritter steht dem Vorstand wieder zur Seite. Susanne Simmerl, die ja mal Ambitionen auf den Vorsitz hatte, hat sich nicht wieder gemeldet. Ich werde mir eine kleine Auszeit gönnen und bei den nächsten Fraktionssitzungen nicht dabei sein. Dann werde ich mich entscheiden.

Ist jetzt wieder alles in Ordnung?

Entinger: Es musste erst zum großen Knall kommen. Ob sich nicht beide Gruppierungen von ihren „Köpfen“ trennen müssen, um wieder zusammen arbeiten zu können, wird sich noch zeigen. Zurzeit wird kein Druck ausgeübt.

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