Werbe hier
Veröffentlicht in

Chemiepark: Alte Reifen zu wertvollen Produkten

Marl (eib). In Öl, Gas und Stahl zerlegt ein neues Unternehmen deutsche Altreifen. Die „Recycle Fuel Technology GmbH (RFT)“ wird eine 16 Millionen Euro teure Anlage mitten in den Chemiepark bauen, um damit direkt mit den Abnehmern vernetzt zu werden. Bereits im Frühjahr hatte sich aus einer Kooperation mit dem Chemiepark das Unternehmen Genan gebildet, das Granulat aus Altreifen zur Aufwertung von Straßenasphalt nutzt.

Jährlich fallen mehr als 600.000 Tonnen Altreifen an, die nach dem Umweltrecht nicht deponiert werden dürfen. Die Verbrennung (bei der Herstellung von Zement) war eine Lösung, doch aus wirtschaftlicher und ökologischer keine optimale, erklärt die Leiterin der Chemsite-Initiative Dr. Margarete Gersemann, die sich um die Vermarktung von 230 ha Chemieflächen im Ruhrgebiet kümmert.

RFT hat seit mehr als zehn Jahre Patente, wie man die Altreifen recyceln kann, seit neun Jahren wird in Eisenhüttenstadt an der Umsetzung gearbeitet, jetzt soll das erste Werk gebaut werden. Dass das Genehmigungsverfahren ohne Probleme durchlaufen wird, ist für Dr. Gersemann keine Frage, wann der Betrieb aufgenommen werden kann, dazu will sie nichts sagen. Ankündigungen im Internet, im September 2009 sei die Anlage fertig, scheinen aber nicht realistisch zu sein.

Der Standort Marl ist ideal. Der Rohstoff, zerkleinerte Altreifen, wird von Unternehmen aus der Region angeliefert (per Lkw). Das im Produktionsprozess gewonnen Öl wird von einem Unternehmen im Chemiepark übernommen. Das ebenfalls gewonnene Gas wird von Infracor übernommen und zur Befeuerung der Kraftwerke im Chemiepark genutzt. Die Industrieruße werden wieder bei der Reifenproduktion eingesetzt. Der Stahl der Reifen geht zurück in die Industrie. Am Ende sind 98 Prozent des Altreifens „in wertvolle und energiesparende Produkte“ umgewandelt worden, schwärmt Dr. Carlos Sorentino, Geschäftsführer der RFT. Schließlich kann Marl auch noch die notwendigen Energien, Dienstleistungen und nicht zuletzt qualifiziertes Personal zur Verfügung stellen. Am Anfang entstehen 16 neue Arbeitsplätze in der Produktion.

Die Nähe zum Chemiepark war auch der Grund für Genan, sich im Industriepark Dorsten-Marl niederzulassen. Genan nutzt ein gemeinsam mit dem Chemiepark entwickeltes Produkt, damit das Pulver zerriebener Autoreifen mit Straßenasphalt verbunden wird, um diesen leiser und haltbarer zu machen. Hier sollen zehn Prozent der deutschen Alt-Reifen verwertet werden, in der neuen Produktionsanlage im Chemiepark sind es weitere zehn Prozent.

Werbe hier