Vest. Der ehrsame Landwirt landete ebenso auf dem Scheiterhaufen wie der neunjährige Waisenknabe, hunderte von Frauen und Männern fielen im späten Mittelalter dem Hexenwahn zum Opfer. Über die Verfahren in Dorsten, Haltern, Recklinghausen, Westerholt, Datteln und Waltrop wurde genauestens Protokoll geführt.Grauenhaft sind die Aufzeichnungen über die Hexenprozesse auf Haus Ostendorf, der altern Wasserburg zwischen Haltern und Lippramsdorf. Vor 430 Jahren, am 28. Juli 1581 bekannte Anna Br. in Gegenwart des Herrn von Ostendorf (Johann von Raesfeld), ihre Mutter habe sie in der Kunst der Zauberei ausgebildet. Damals sei sie 20 Jahre alt gewesen, als der Teufel zu ihr in den Garten kam und ihr riet, Gott und seinen Heiligen zu entsagen. Dafür werde sie auch nie krank. Der Teufel habe sich Bols genannt, habe einen grünen Hut mit langer grauer Feder getragen und ihr Geld gegeben. Das sei aber am nächsten Tag Pferdedreck gewesen.Sie habe vom Teufel Chrisam (Salböl) bekommen, das sie dem Vieh zum Fressen gab. 20-mal sei sie zum Sakrament gegangen, habe die Hostien aber in ein Schnupftuch gewickelt und sie schwarzen Hühnern vorgeworfen. Deren Eier habe sie in fremde Gärten gelegt und dabei gesprochen, dass in diesen Gärtenvier Jahre lang keine Früchte wachsen sollten.Den Pferden eines Bauen habe sie schwarzes Kraut (Bilsenkraut) zu fressen gegeben, sie seien daraufhin eingegangen (nach dem bayrischen Reinheitsgebot für Bier von 1516 durfte das Kraut nicht mehr zur Verstärkung der Rauschwirkung bei Bier eingesetzt werden).Sie habe 1551 mit ihrem Bols am „Steinernen Kreuz“ getanzt, fünf Frauen und ein Mann seien dabei gewesen. 1569 habe sie am Antoniustag Eis aus der Luft kommen lassen. Im Namen des Teufels habe sie alle Bäume verhext, die dann verdorrt seien.Die Frau wurde verbrannt.Im selben Jahre wurde die Dr. als „wegen beschuldigter Hexerei peinlich verhört“. „Als sie dann der Pein gesetzt und Leben genügsam in ihr befunden, sie aber nicht mehr sprechen wollte, ist ihr der Hals gebrochen und also vom Leben zum Tode gebracht worden“, heißt es im Protokoll. Das gleiche geschah eine Woche später mit Else Vi. 1603 wurde Bernd Vi. „wegen beschuldigter Hexerei zum Feuertode verurteilt“, dann aber begnadigt und mit dem Schwerte hingerichtet.In Merfeld gab es einen Hexenteich, in dem an einer angeschuldigten Hexe die Wasserprobe versucht wurde. In Coesfeld wurde ein neunjähriger Junge durch die Folter zu einem Geständnis gezwungen. 1588 bis 1590 wurden fünf Frauen aus Flaesheim und Hamm-Bossendorf verbrannt. In Recklinghausen fielen Hunderte von Frauen und Männern dem Hexenwahn zum Opfer.1589 sollte der Dorstener Hermann Steldermann hingerichtet werden, er flüchtete in letzter Minute nach Haltern, wo er schließlich von 14 Soldaten und einigen Ratsdienern gefangen genommen wurde. Sein Antrag an den Bischof von Münster, ihn in Haltern hinrichten zu lassen, wurde abgelehnt. Stattdessen wurde er in Freiheit gesetzt.Wenn es keine Berichte über Hexen und Foltern gibt, dann heißt das nicht, dass es diese nicht gegeben hat. Oft vernichteten die Träger des Hexenwahns die Akten und Urkunden, die sie bloßstellten. Einen großen Teil der Merfelder Hexenprozessakten ließ z.B. der frühere Besitzer des Herzog von Croy´schn Archivs, Theodor von Merode, vernichten.

