
Recklinghausen. Die Suche nach einem kompetenten Partner in Sachen Energieversorgung beziehungsweise eigene Stadtwerke für Recklinghausen führt jetzt nach Europa. Ein europaweites Verhandlungsverfahren ist der nächste Schritt auf dem Weg zur Entscheidung über die zukünftige Energieversorgung der Stadt Recklinghausen. Darauf hat sich die Kommission „Energieversorgung in Recklinghausen“ verständigt, die vom Rat am 14. Februar 2011 eingerichtet worden ist und am Samstag zum ersten Mal getagt hat. Die Kommission setzt sich aus elf Ratsmitgliedern, unter Leitung des Bürgermeisters Wolfgang Pantförder und des Ersten Beigeordneten Christoph Tesche, zusammen.
„Wir haben die Absicht, mit Hilfe eines strategischen Partners Stadtwerke zu gründen“, sagt Bürgermeister Wolfgang Pantförder. „Allerdings stellt sich noch die Frage: Mit wem und wie?“ Der Rat hatte bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zu einer neuen Energieversorgung erklärt und am 14. Februar die Verwaltung beauftragt, ein Vergabeverfahren mit Hilfe von externen Beratern vorzubereiten und durchzuführen. Dieses Vergabeverfahren, so hat es die Kommission „Energieversorgung“ am Samstag beschlossen, soll ein zweistufiges europaweites Verhandlungsverfahren werden.
Die erste Stufe ist ein Teilnahmewettbewerb, der Ende Mai/Anfang Juni beginnen soll: Die Bewerber müssen erst einmal nur eine funktionale Leistungsbeschreibung abgeben und einen Nachweis ihrer Fachkunde, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit erbringen. „Uns geht es dabei zunächst darum, die Anbieter zu ermitteln, die das Strom-und Gasnetz gemeinsam mit der Stadt erwerben und betreiben wollen“, sagt Erster Beigeordneter Christoph Tesche. „Allerdings wollen wir im Teilnahmewettbewerb auch wissen, ob sich die Bewerber vorstellen können, später ebenfalls in den Vertrieb und die Erzeugung einzusteigen. Ein ,Nein« ist dabei aber noch kein K.o.-Kriterium.“
Nach der ersten Stufe wird das Bewerberfeld von der Stadtverwaltung, der Kommission „Energieversorgung“ und den externen Beratern gesichtet. Die Unternehmen, die die drei Kriterien Fachkunde, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit erfüllen, gehen dann in die zweite Stufe. Dazu wird der Rat zuvor einen Leistungskatalog für ein etwaiges Geschäftsmodell beschließen. Darin legt er detaillierte Kriterien für einen „strategischen“ Partner zur Gründung von Stadtwerken vor und gewichtet sie. Dabei werden zum Beispiel auch die Risiken, die Risikoaufteilung oder die Wirtschaftlichkeitsberechnung eine Rolle spielen. Nach einer Vorauswahl durch die Kommission „Energieversorgung“ werden dann Verhandlungen mit mehreren potenziellen Anbietern geführt – über Preis, Leistung und Vertragsgestaltung. „Natürlich haben wir den Anspruch, als Stadt 51 Prozent der Anteile zu übernehmen, sonst wäre keine politische Gestaltungsfähigkeit möglich“, sagt Pantförder.
Der Bürgermeister resümierte am Montag, dass sich die Einrichtung der Kommission wirklich gelohnt habe. „Wir haben bis in den Nachmittag hinein konstruktiv und leidenschaftlich diskutiert – und trotzMeinungsverschiedenheiten insgesamt eine hohe Übereinstimmung erzielt.“

