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Aufgetaut und abgetaucht


Eine Wohnstraße in Recklinghausen am Mittwoch dieser Woche – hierhin hatte sich noch städtischer Räumdienst verlaufen

Vest. Das Winterchaos hatte uns alle fest im Griff. Kein Salz, kein Split – die Straßen (wenn man denn hinkam) wurden zur Herausforderung an die Fahrkünste. Apropos Hinkommen – in Recklinghausen wurden mangels Masse die Nebenstraßen nicht geräumt. Der einfache Bürger kam seinen Pflichten nach und fegte brav die Gehwege in der Hoffnung, dass der Winterdienst das Weggefegte mitnehmen würde. Doch Pustekuchen. Keine Räumung. Also hatte der Autofahrer das Problem, von seinem Stellplatz aus über die Schneeberge auf die Fahrbahn zu gelangen. Oftmals gelang das nur mit tatkräftiger Unterstützung der Nachbarn.

Und die halfen, wo sie konnten. In Herten hat sich eine Selbsthilfegruppe gegründet, die nicht nur die Gehwege von Schnee und Eis befreiten, sondern auch die Straße.

Ein typisches Stück Selbsthilfe à la Horneburg gab´s am Dienstagabend auf der unteren Schloßstraße. In einer Blitzaktion haben Anwohner die Schneeberge entfernt und den Weg frei gemacht.

Überall im Vest hatten die Mitarbeiter der Betriebshöfe ihre liebe Not, des Mülls Herr zu werden. Oftmals wurden die Mülltonnen gar nicht abgeholt, weil die Müllwerker keine Chance sahen, sich den Tonnen zu nähern. Wenn sie denn überhaupt wussten, welchen Müll sie abtransportieren sollten, da Schneemützen die Deckel versteckten.

Dass Feuerwehr und Polizei sich ebenfalls der Herausforderung stellen mussten, versteht sich von selbst. So ist in Schermbeck eine Rohrleitung geplatzt und hat die Gesamtschule unter Wasser gesetzt. Da blieb nichts anderes übrig, als auf Tauchgang zu gehen (Foto oben).

Doch es gibt auch Zeitgenossen, die können der besonderen Situation auch besondere Seiten abgewinnen. So haben zwei Hertener kurzerhand aus der Not eine Tugend gemacht und sich ein Iglu gebaut.

Ebenfalls mit Humor nahm es Jürgen Klupsch. Der Betreiber des Kiosk „Km 21“ am kleinen Dattelner Hafen dachte sich, après Ski steht auch dem Revier. Doch nur Tische und Bänke aufzustellen, genügte ihm nicht. Er hat aus dem Vorhandenen einfach eine Naturkühltheke gebaut. Täglich ab 9 Uhr morgens gab es bei Jürgen Klupsch an der Original-Eistheke naturgekühlte und auf Wunsch auch heiße Flüssigkeiten „mit und ohne Umdrehungen“.

Und auch das Sonntagsblatt hatte mit den Widrigkeiten der Natur zu kämpfen. Unsere Mitarbeiter hatten oftmals ihre liebe Not, die Zeitungen in die Briefkästen zu bekommen. Doch dank des ehrgeizigen Einsatzes der Zusteller hatten viele Leser bereits an Weihnachten ihr gewohntes Wochenendmagazin auf dem Tisch. Herzlichen Dank dafür an die eifrigen Boten.
Fotos: Bludau/Grone

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