
Marl. Es gibt immer noch Bewohner in der Schlenke-Siedlung in Brassert, die auf einen neuen Wohnort warten: Mehlschwalben und Fledermäuse. Und ein älteres Ehepaar. Auf alle läuft eine Frist zu: Oktober/November. Dann können die Tiere umgesiedelt werden, dann kann mit dem Abriss der Siedlung begonnen werden. Wenn man sich mit dem Ehepaar einig wird.
Jahrelang war unter Hochdruck gearbeitet worden: Die Siedlung mit 170 Familien muss weg, der Chemiepark braucht eine Erweiterung. Nur noch ein Ehepaar lebt heute einsam am Rande. Es erwartet demnächst eine Einigung mit der Stadt über eine Abfindung für ihr Reiheneigenheim.
Kein Mensch ist auf der Straße, die Eingänge der Häuser sind mit Blechen zugeschweißt, um Vandalismus vorzubeugen. Das Grün steht etwas hoch. Man habe mit Aufräumarbeiten in dieser Woche begonnen, erklärt der Infracor-Pressesprecher Volker Hilbt. Vorbereitungen für den großen Abriss, der im Oktober/November startet.
Das ist das enge Zeitfenster, das die Natur lässt. Die Vögel dürfen nicht brüten und die Fledermäuse noch keinen Winterschlaf halten. Sie müssen die Siedlung verlassen und werden in ein neues Zuhause umgesiedelt.
Dann wird alles platt gemacht. So weit sind die Planungen sicher. Was anschließend kommt, kann man nicht sagen – sagt der Pressesprecher. Die Infrastruktur wird den Investoren angepasst. 40 Hektar stehen dann zur Verfügung. Die Grenze liegt an der Brassert-/Wulfener Straße.
Noch aber gibt es Probleme an der heutigen Chemiepark-Grenze. Dort fließt der Dümmerbach, noch. Damit er künftig nicht stört, soll er verlegt werden. Direkt nachdem der von Süden kommend die Paul-Baumann-Straße unterquert hat, soll er nach Westen abbiegen und später in den Weiherbach übergehen.
Die Lösung hat einen Haken: Der Bach würde zu einer „Ersatzmaßnahme“ und durch einen Wald fließen, der bereits „Ersatzmaßnahme“ ist (nämlich Ausgleichsfläche für eine andere Industriefläche). Und „Ersatz im Ersatz“ geht nicht, sagt das Gesetz.
„Wir arbeiten bereits an anderen Möglichkeiten“, erklärt der Baudezernent Wolfgang Seckler. Im Chemiepark hält man eine technische Lösung für möglich, eine Verrohrung bis hin zur Lippe. Schon heute fließt das nördliche Stück unter der Erde.
Es gibt noch einige Probleme zu lösen. Eine Verlegung des großen Logistik-Bereiches wird nicht dazu gehören. Bisher lag der Umschlagplatz optimal am Rande des Chemieparks. Nach der Erweiterung wird er ein Stück zur Mitte rücken. Die neuen Chemieanlagen werden sich dem anpassen. Wer das sein wird, kann keiner sagen

