Werbe hier
Veröffentlicht in

Richtig verhüten oder auf Sex verzichten

Experten zum Thema Verhütung. Manchmal ist die Antwort ganz einfach

Wieder einmal gab es große Resonanz auf die Sonntagsblatt-Lesertelefonaktion. Diesmal ging es um das Thema „Verhütung“. Dazu hatten unsere Leserinnen viele Fragen, die von Dr. med. Dietmar Gerhard Huber; niedergelassener Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe und Belegarzt der WolfartKlinik, Gräfelfing, Dr. med. S. Massimo Lombardo, niedergelassener Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe Praxis CentroGyn, München und Dr. med. Wolfgang Mahr; niedergel. Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe in der Frauenärztlichen Gemeinschaftspraxis in Haar und Belegarzt der Geisenhoferklinik, München beantwortet wurden.

Einfach und sicher: So sieht für Frauen die optimale Verhütung aus. Und sie sollte zur Lebenssituation passen. Daher lohnt es sich, an wichtigen Wendepunkten im Leben zu schauen, ob die eigene Verhütung noch den aktuellen Bedürfnissen entspricht oder die jeweilige Methode lediglich aus Gewohnheit weiter verwendet wird. Voraussetzung für die Wahl des individuell passenden Verhütungsmittels ist das Wissen um Wirkweisen, Sicherheit und Verträglichkeit der verschiedenen Methoden. Dazu wussten die Experten unserer Telefonaktion guten Rat.

Hier die häufigsten Fragen der Leserinnen und die Antworten der Experten:

Ich plane, in ein bis zwei Jahren schwanger zu werden. Wie verhüte ich in der Zwischenzeit am besten?
Dr. med. Dietmar Huber: Gut geeignet ist eine niedrig dosierte Pille – vorausgesetzt Sie sind Nichtraucherin. Wenn Ihnen eine hormonfreie Verhütung lieber ist, können Sie auch mit Kondomen verhüten oder eine Methode zur natürlichen Familienplanung wählen.

Immer wieder ist die Antibabypille im Zusammenhang mit einem erhöhten Thromboserisiko im Gespräch. Wie groß ist die Gefahr wirklich?
Dr. med. Wolfgang Mahr: Richtig ist, dass die Pille das Thrombose-Risiko erhöht – allerdings nur sehr geringfügig. Das belegen auch zwei große Studien aus Dänemark und den Niederlanden aus dem Jahr 2009. Von 100.000 Frauen zwischen 15 und 44 Jahren sind statistisch gesehen fünf bis zehn von einer gefährlichen Thromboembolie bedroht. Bei Frauen, die mit der Pille verhüten, sind es 20 bis 40. Je nach den enthaltenen Wirkstoffen ist die Gefahr für ein Blutgerinnsel unterschiedlich groß. Wenn bei Ihnen keine weiteren Risikofaktoren vorliegen – wie Rauchen, starkes Übergewicht oder Gefäßschäden – brauchen Sie sich keine übermäßigen Sorgen zu machen. Am besten nehmen Sie eine Mikropille und besprechen das Thema mit Ihrem Frauenarzt.

Ich möchte nicht mehr mit der Pille verhüten, aber in nächster Zeit auf keinen Fall schwanger werden. Welche sichere und verträgliche Alternative gibt es?
Dr. med. Massimo Lombardo: Wenn Sie für die nächsten Jahre eine Schwangerschaft ausschließen möchten, können Sie eine Methode zur Langzeitverhütung wählen. Eine sehr hohe Sicherheit bei guter Verträglichkeit weist die Hormonspirale auf. Sie gibt lokal geringe Mengen des Hormons Gestagen ab, was den Schleim im Gebärmutterhals verdickt, so dass er für die Spermien unpassierbar wird. Zusätzlich kommt es zu einem verminderten Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, was die Einnistung eines eventuell befruchteten Eis verhindert.

Wie unterscheiden sich Hormon- und Kupferspirale genau?
Dr. Mahr: Bei der Kupferspirale beruht die empfängnisverhütende Wirkung nicht auf der lokalen Abgabe eines Hormons, sondern auf den Auswirkungen der Kupferionen: Diese hemmen die Spermien in ihrer Beweglichkeit, so dass es in der Regel nicht zur Befruchtung kommt. Zusätzlich wird der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut gestört, so dass sich ein eventuell doch befruchtetes Ei nicht einnisten kann. Unter der Kupferspirale kann eine verstärkte, verlängerte und schmerzhaftere Regelblutung auftreten. Bei der Hormonspirale wird die Blutung in vielen Fällen dagegen kürzer und schwächer, das Risiko für Infektionen ist nicht erhöht.

Welche anderen Methoden zur Langzeitverhütung gibt es?
Dr. Lombardo: Neben den beiden Spiralen zählen noch die so genannten Depot-Gestagene zu den Methoden zur Langzeitverhütung. Letztere können in Form eines Implantats, das unter die Haut des Oberarms eingesetzt wird, oder einer Dreimonatsspritze verabreicht werden. Der Nachteil bei der Dreimonatsspritze: Nach Absetzen der Verhütung können Sie nicht sofort schwanger werden, da sich erst wieder ein normaler Zyklus einstellen muss.

Welche Verhütung ist für meine 16-jährige Tochter geeignet?
Dr. Lombardo: Zum einen ist es wichtig, dass Ihre Tochter sich immer mit Kondomen vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt. Bei jungen und ungeübten Anwendern würde ich mich zur Verhütung einer Schwangerschaft aber nicht allein auf das Kondom verlassen. Eine niedrig dosierte Pille kann auch für junge Mädchen geeignet sein – allerdings nur nach einer sorgfältigen, individuellen Risikoabklärung. Ihre Tochter sollte keinerlei Risikofaktoren für eine Thrombose aufweisen. Dazu gehören unter anderem Übergewicht, Rauchen, eine familiäre Vorbelastung, hohe Cholesterinwerte oder auch eine Migräne mit Aura. Zusätzlich ist es wichtig, dass Ihre Tochter mindestens halbjährlich ihren Frauenarzt zur Kontrolle aufsucht, besser noch in einem Abstand von drei Monaten.

Ich habe gerade mein erstes Kind bekommen. Kann ich während der Stillzeit auf Verhütung verzichten?
Dr. Mahr: Wenn Sie nicht direkt Ihr nächstes Kind planen – nein. Das Hormon Prolaktin, das bei jedem Stillen ausgeschüttet wird, hemmt zwar die Eierstockaktivität, ein Eisprung ist jedoch nicht ausgeschlossen. Während der Stillzeit können Sie keine östrogenhaltige Verhütung wählen, da Östrogene in die Muttermilch übergehen. Hat sich die Gebärmutter nach der Geburt wieder zurückgebildet, eignen sich die Kupferspirale oder Kondome. Die Anwendung der Hormonspirale oder der Gestagenpille sollten Sie mit Ihrem Frauenarzt besprechen.

Ich bin 46 Jahre alt und in den Wechseljahren. Ist die Hormonspirale eine geeignete Verhütungsmethode für mich?
Dr. Lombardo: Gerade während der Wechseljahre ist die Hormonspirale eine sehr gut geeignete Verhütungsmethode. Denn sie verhindert nicht nur zuverlässig eine Schwangerschaft, sondern vermindert auch die Stärke und Länge der Blutungen. Davon profitieren insbesondere Frauen, die in diesem Lebensabschnitt häufig unter unregelmäßigen und zum Teil starken Blutungen leiden. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Hormonspirale das Risiko für eine Thrombose nicht erhöht.

Ich interessiere mich für natürliche Familienplanung. Wie sicher sind die Methoden?
Dr. Huber: Als kurzfristige Verhütungsmethode ist die natürliche Familienplanung sicherlich nicht geeignet. Auch jungen Mädchen und Frauen während der Ausbildung würde ich sie nicht empfehlen. Wenn Sie aber in einer festen Partnerschaft leben, einen sehr regelmäßigen Zyklus und einen stabilen Lebensrhythmus haben, kann diese Methode gut funktionieren. Idealerweise messen Sie täglich Ihre Temperatur und untersuchen den Gebärmutterhalsschleim. So können Sie den Zeitpunkt des Eisprungs und die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage ermitteln. Die Sicherheit hängt davon ab, wie konsequent Sie die Regeln anwenden. Um eine Schwangerschaft zuverlässig zu verhüten, müssen Sie während eines relativ großen Teils des Zyklus Barrieremethoden, wie beispielsweise Kondome, einsetzen – oder auf Sex verzichten.

Wirken die Hormone beim Hormonring auch nur lokal wie bei der Hormonspirale?
Dr. Lombardo: Nein, der Hormonring ist in seiner Wirkweise mit der Pille zu vergleichen. Die Hormone Östrogen und Gestagen gelangen auch hier ins Blut. Der Unterschied zur Pille liegt lediglich darin, dass Sie nicht täglich eine Tablette einnehmen, sondern ein Mal im Monat den Ring in der Scheide auswechseln und dass er im Vergleich zur Pille niedriger dosiert ist.

Ich leide an Akne und nehme seit einiger Zeit eine Pille, die gegen Pickel hilft. Jetzt habe ich Pigmentflecken im Gesicht und eine sehr lichtempfindliche Haut. Kann das mit der Pille zusammenhängen?
Dr. Mahr: Ja, Ihre Hautveränderungen nennt man Chloasma und sie werden durch das Östrogen in der Pille hervorgerufen. Sie sollten zur Verhütung auf eine reine Gestagen-Pille umsteigen, dann werden die Pigmentflecken nicht schlimmer. Sie können etwas zurückgehen, jedoch nicht wieder ganz verschwinden. Ihre Akne sollte separat vom Hautarzt behandelt werden, auch eine Darmsanierung kann sich positiv auf Ihre unreine Haut auswirken.

Ich leide trotz einer Ausschabung der Gebärmutter unter sehr starken Blutungen. Um eine Gebärmutterentfernung zu vermeiden, hat mir meine Frauenärztin die Hormonspirale gelegt und zusätzlich Gestagene verschrieben. Ich blute aber immer noch.
Dr. Mahr: An der Behandlung Ihrer Frauenärztin ist nichts zu beanstanden. Bei vielen Frauen kann durch den Einsatz der Hormonspirale die Blutung soweit zurückgehen, dass eine Entfernung der Gebärmutter nicht nötig ist. Wenn bei Ihnen die Kombination aus Spirale und zusätzlich verabreichten Gestagenen nicht hilft, sollten Sie für zwei bis drei Monate eine höher dosierte Pille einnehmen. Bessern sich die Blutungen auch unter dieser Behandlung nicht, ist eine Entfernung der Gebärmutter leider unumgänglich.


Zur Info: Verhütung von A bis Z

www.bzga.de
Fruchtbarkeit von Mann und Frau, die verschiedenen Methoden zur Verhütung, einschließlich Notfallverhütung und Schwangerschaftsabbruch: Alle diese Themen behandelt die Broschüre „Sichergehn – Verhütung für sie und ihn“ sehr umfassend. Sie finden die Broschüre auf der Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter den Punkten „Infomaterialien“ und „Sexualaufklärung“ zum kostenlosen Herunterladen.

Speziell an Jugendliche richtet sich die Broschüre „sex´n´tipps – Verhütung“

www.profamilia.de
Auch bei pro familia werden die einzelnen Verhütungsmethoden vorgestellt: Im Internet unter den Punkten „Themen“, „Familienplanung“ und „Verhütung“. Unter dem Punkt „Was kostet die Verhütung“ finden Sie eine Übersicht über die Kosten der einzelnen Verhütungsmittel.

Werbe hier