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Discounter bringt ein Dorf ins Wanken

Schermbeck-Gahlen. Beschaulichkeit, Übersichtlichkeit, Zusammenhalt – das sind seit Jahrzehnten die Kennzeichen des Dorfes Gahlen. Plötzlich mischt der Faktor Wirtschaftlichkeit mit – und das Gahlener Gefüge wankt: Braucht der Ort den Lebensmitteldiscounter Aldi?

Im Prinzip ja. Das Schermbecker Einzelhandelskonzept hatte genau das angeregt: Einen Lebensmitteldiscounter mit maximal 800 qm Verkaufsfläche. Die derzeit insgesamt 100 qm im Zentrum reichen einfach nicht aus. Der Anbieter sollte möglichst nahe am Ortskern liegen und gut von der Östricher Straße aus erreichbar sein.

All diese Voraussetzungen scheint Aldi zu erfüllen, bis auf die Nähe zum Ortskern. Der Markt wolle sich recht weit östlich ansiedeln, so die Gemeindeverwaltung, die das Vorhaben bereits der Politik vorgelegt hat. Ins Auge gefasst ist eine Fläche zwischen Kirchstraße und Östricher Straße.

Nicht optimal fanden das die Politiker spontan. Das Neubaugebiet befinde sich auf der anderen Dorfseite, also müsse der Verkehr mitten durchs Dorf. Es müsse eine bessere, eine zentrale Lage gefunden werden, die man auch fußläufig erreichen könne. Das will aber angeblich Aldi nicht, das sich auf einen Platz schon festgelegt habe. Es verspreche sich ein zusätzliches Geschäft durch die Nähe zur Umgehungsstraße (Östricher Straße).

Außerdem sei der Standort schon mit dem Kreis und der IHK abgestimmt und mit Aldi nicht mehr verhandelbar.

Für Björn Schult sind die Pläne existenzbedrohend. Seit 13 Jahren betreibt er mit seinen Eltern die Bäckerei und den Lebensmittelladen Schult an der Kirchstraße. Auf 80 qm gibt es alles, was man für das tägliche Leben braucht. Der Konkurrent wäre zehnmal so groß. „Aufgrund der geringen Verkaufsgröße kann keine umfassende, aber ausreichende Nahversorgung gewährleistet werden“, so heißt es im zwei Jahre alten Einzelhandelskonzept der Gemeinde. Schult ist auch auf die Kunden angewiesen, die von den Campingplätzen der Umgebung kommen. Darauf spekuliert auch Aldi und sucht deshalb die Nähe der Umgehungsstraße.

Die Politiker haben die Entscheidung über die Aufstellung eines „Strukturkonzeptes“ erste einmal verschoben.

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