Vest. Das Amtsgericht Marl war überzeugt: Nur die 37-jährige Halternerin konnte die Räuberin gewesen sein, die am 28. April 2005 die Shell-Tankstelle an der Recklinghäuser Straße überfallen hatte. Das Landgericht Essen kam jetzt zu einem anderen Urteil, hob die zweijährige Strafe aus Marl auf und sprach die Frau frei: Im Zweifel für die Angeklagte.
Mit einer Pistole in der Hand (möglicherweise eine Spielzeugpistole) kam eine Frau in die Tankstelle, verlangte das Geld (250 Euro) und eine Schachtel Zigaretten.
Angeblich war die Frau nach Hause gegangen und hatte die Geschichte ihrem Mann erzählt. Der riet ihr, zur Polizei zu gehen. Die fand eine Mütze und Handschuhe – mehr nicht.
2007 kam es zu einer Gerichtsverhandlung. Da argumentierte die Halternerin, sie könne sich an nichts erinnern. So gab es erst einmal eine psychiatrische Untersuchung.
2009 der nächste Prozess, doch wieder erklärte sie, sich an nichts erinnern zu können. Oder verdrängte sie die Tat nur, wie es ein Gutachter für möglich hielt? Das Urteil: Zwei Jahre Haft auf Bewährung.
Mehrfach wurden Berufungsverhandlungen vor dem Landgericht Essen angesetzt – und wieder abgesagt, weil die Angeklagte einen Krankenschein vorwies.
Ein Gutachter meinte jetzt, die Angeklagte sei gar nicht in der Lage, so zielstrebig einen Überfall zu begehen. Und das Gericht schloss nicht aus, dass es eine weitere weibliche Person gibt, die in die Tat involviert war. Ihr Ex-Ehemann hat mittlerweile eine neue Lebensgefährtin. Aber das Gericht wollte nicht spekulieren. Freispruch.

