
Hier lebte der Mann nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis.
Marl. Irritationen landesweit, Sorge in Marl: Es Sexualverbrecher kann wegen Justizpannen nicht in Sicherungsverwahrung genommen werden und bekam eine Wohnung in Marl (wir berichteten). Nach drei Tagen die Entwarnung: Hans-Peter H. ist bereit zu einer Therapie und soll sich schon in eine Einrichtung begeben haben.
Genau diese Therapie hatte der Sexualverbrecher während seiner Haft verweigert. Doch außerhalb des Gefängnisses war die Welt anders. Er wurde von bestimmten Medien geradezu verfolgt. Parteien schrieben ihre Angst in Briefen nieder. Vor der Ratssitzung war eine Demonstration angekündigt worden (es kamen nur einige wenige).

Von seiner Unterkunft hatte Hans-Perter H. (62) freien Blick auf die gegenüberliegende Harkortschule. Fotos: Cornelius/Grone
Die Behörden mahnten Ruhe an und gaben sich verschwiegen: Die Rechte des Vorbestraften müssten gewahrt werden. Das Sonntagsblatt sprach mit der Stadtverwaltung Marl, der Polizei Recklinghausen und der Staatsanwaltschaft Essen, um die wichtigsten Fragen beantworten zu können.
Was hat der Mann getan?
Der 62-Jährige war unter anderem wegen Vergewaltigung, sexuellen Missbrauchs und versuchten Mordes vorbestraft. Ende 2003 verurteilte ihn das Landgericht Essen wegen schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung und sexuellen Missbrauchs zu einer siebenjährigen Haftstrafe.
Warum ist der Mann so gefährlich?
Schon das Landgericht Essen hatte sich ein Sicherungsverfahren vorbehalten. In der Haftzeit hatte er alle Therapiebemühungen verweigert. Er nehme sich rücksichtslos, worauf er Lust habe, urteilte ein Gutachter. Er fand eine „steigernde Kriminalitätsdynamik bei steigender Gewaltbereitschaft“.
Warum ist der Mann nicht in Sicherungsverwahrung?
Das hätte die Staatsanwaltschaft im Frühjahr 2007 beantragen müssen, hat das aber verpasst. Eine nachträgliche Anordnung verwarf das Oberlandesgericht Hamm.
Was hat der Mann seit seiner Haftentlassung gemacht?
Am 5. Januar kam er aus der Haft und gab ein Ziel an (nicht im Kreis Recklinghausen). Dort kam er aber nicht an. Die Polizei entdeckte den 62-Jährigen in Marl. Darüber habe sie Ende Januar die Stadtverwaltung informiert.
Was tat die Stadt?
In Unkenntnis um seine Person wurde ihm zunächst eine Sammelunterkunft am Lipper Weg zugewiesen, die in der Nähe einer Schule, eines Kindergartens und weiterer Jugendeinrichtungen liegt. Später gab man ihn einen neuen Wohnort, brachte ihn in der Feuerwache unter.
Warum ist der Mann ausgerechnet nach Marl gekommen?
Er hat hier früher seinen Wohnsitz gehabt.
Hatte die Polizei den Mann unter Kontrolle?
Nein. Anders als vom Bürgermeister angekündigt stand der Mann nicht unter besonderer polizeilicher Beobachtung. Das geht nur auf richterliche Anordnung. Die zuständige Oberstaatsanwältin Angelika Matthiesen erklärte, ein Antrag sei gestellt, darüber müsse das Landgericht Arnsberg noch entscheiden. Dann habe aber der Betroffene noch immer die Möglichkeit, Rechtsmittel einzulegen.
Waren die Menschen geschützt?
Nein. Es wurde alles getan, um den Täter vor möglichen Übergriffen zu schützen. Deshalb wurde sein Aufenthaltsort nicht bekannt gegeben.
Kontakt mit der Polizei hatte der 62-Jährige am Dienstag im Marler Stern. Dort wurde er „im Rahmen der Führungsaufsicht“ angesprochen und kam freiwillig mit zu einem Gespräch nach Recklinghausen. Man habe „ständigen Kontakt zu ihm, um abzusichern, was er tut“, so die Polizei.

