Marl (eib). Es hatte alles ganz geräuschlos begonnen, doch jetzt knallt es derart laut, dass eine Ausschuss-Sitzung unterbrochen wird und Paul Wagner, seit 30 Jahren Chef der Marler Grünen, den Saal unter Protest verlässt. Jetzt wissen es alle: Grüne und Grüne kämpfen gegeneinander.
Das „Problem“ ist uralt: Die Marler Grünen waren nie Teil der Parteistruktur, die heute „Bündnis 90/Die Grünen“ heißt. Zwar waren die Mitglieder der Marler Wählergemeinschaft auch weitgehend zugleich auch Mitglieder der Partei. Aber das wurde erst zum Problem, als im Dezember 2008 in Marl eine Ortsvereinigung der Partei gegründet wurden. Siegfried Schönfelder wurde Vorsitzender.
Im Januar suchten „B90/Grüne“ einen Bürgermeisterkandidaten und fanden ihn in Siegfried Schönfeld. Der forderte umgehend, dass kein Grüner 30 Jahre im Rat sitzen solle – ein Affront gegen Paul Wagner, der (zusammen mit Johannes Westermann) seit undenklichen Zeiten das Sprachrohr für Grüne Politik in Marl ist. Geachtet als scharfer Analytiker und einflussreich mit seinen Argumentationen.
In dieser Woche nun wurden die neuen politischen Pflöcke eingeschlagen: Ratsmitglied Birgit Sandkühler saß auf einem anderen Platz, vor ihr „Bündnis 90/Die Grünen“. Paul Wagner und Johannes Westermann hatten vor sich das Schild „Wählergemeinschaft Die Grünen/Marl“. So weit, so still.
Am Dienstag saßen im Bauausschuss plötzlich Wagner und Michael Sandkühler schweigend nebeneinander. Er ist sachkundiger Bürger, benannt von den Marler Grünen. Er ist inzwischen auch Vorsitzender der Partei B90/Grüne im Kreis und wurde mittlerweile von den Marler Grünen aus der Fraktion ausgeschlossen.
Darf er im Ausschuss reden? Oder das Ratsmitglied Paul Wagner, der sich mit Sandkühler die Arbeit im Ausschuss teilte?
Die Sitzung musste für zehn Minuten unterbrochen werden, um die juristische Frage zu klären. Erleichterung, als sich herausstellte, dass Marl diesmal nicht einmalig ist. Das Oberverwaltungsgericht Düsseldorf hatte schon mal so einen Fall entschieden. Fazit für Marl: Sandkühler ist (noch) drin, Wagner hatte schon vorher verärgert den Saal verlassen. Ein Antrag auf Ausschuss-Umbesetzung liege im Rathaus schon vor, er wird am 11. Februar behandelt.
Johannes Westermann wurde übrigens Bürgermeisterkandidat der Marler Grünen. Das entsprechende Angebot der Bündnis-Grünen hatte er vorher ausgeschlagen.

