FOTO: Mengedoht
Herten (om). Ein Aktkalender mit 46 bis 66 Jahre alten, ganz normalen Frauen aus Herten, das erforderte 2004 viel Mut der Beteiligten – jetzt fragt der WDR noch einmal nach, wie das damals war. Dabei waren die „Kalender-Ladies“ keine einmalige Sache: Für 2010 ist eine Wiederholung geplant, dann allerdings kreisweit.
Für die WDR-Sendung frauTV hat ein Team jetzt die „Kalender-Ladies“ um Vize-Landrätin Elke-Marita Stuckel-Lotz interviewt und mit ihnen im Schloss Herten und im Kino gefilmt. Die Sendung wird am kommenden Mittwoch, 17. Dezember, von 22 bis 22.30 Uhr auf WDR3 gezeigt.
„Sie waren ja damals mit die ersten in Deutschland, die so einen Aktkalender gemacht haben. Wir wollen einmal zurückblicken und schauen, wie Sie das heute sehen“, erklärte WDR-Autor Arno Klothen den Damen, von denen immerhin sieben den äußerst kurzfristig anberaumten Termin des Senders wahrnehmen konnten. „Außerdem wollen wir aus Frauensicht darauf eingehen, wie es ist, sich auszuziehen, warum man das macht und was es für Reaktionen gab“, kündigte der Fernsehmann an.
„Die Fahrgäste waren alle begeistert“, erinnerte sich Taxifahrerin Monika Schellhase im Schlosscafé lachend. Begeistert sind sie alle noch und denken gern an die Shootings mit einer Fotografin zurück. Am 3. Oktober 2004 wurde der Aktkalender für 2005 in Herten präsentiert und noch heute treffen die „Ladies“ sich jedes Jahr zu diesem Termin zum Schwoofen, mindestens. Nur zu zwei Frauen aus Buer haben sie keinen Kontakt mehr, eine kam aus Recklinghausen, alle anderen aus Herten.
Mit 1.470 verkauften Kalendern erwirtschafteten die Frauen um Initatorin Stuckel-Lotz rund 8.000 Euro Gewinn – und spendeten ihn an das Hertener Mädchenhaus „Flex“ und ein Schutzprojekt für Mädchen und Frauen, die sich an der deutsch-tschechischen Grenze prostituieren. Die Spenden waren schließlich auch der Sinn der ganzen Aktion, die von einem Film aus England angestoßen wurde. „Dass wir alte Schachteln uns so ins Zeug legten für die jungen Mädchen, hat die ganz schön begeistert und ihnen gut getan“, weiß Christine Reuter aus Recklinghausen noch.
Ein Teil der Fußgängerzone wurde damals während der Aufnahmen am frühen Morgen gesperrt – „da kamen gerade Jugendliche aus der Disco, erste Gassi-und Kirchgänger“, erinnert sich Stuckel-Lotz schmunzelnd. Aber alle Teilnehmerinnen sind sich einig: „Wir sind stolz, dass wir das gemacht haben, das Projekt an sich einerseits, und andererseits dass wir soviel Geld für den guten Zweck zusammen bekommen haben.“
Immerhin hatte keine von ihnen je so etwas gemacht, betont Doris Wenglorz. „Wir sind ja keine Models.“ Und immerhin, freuen sie sich, hätte sogar Alice Schwarzer sie als „die mutigen Frauen aus Herten“ begrüßt. Noch heute, berichtet Stuckel-Lotz, fragen Menschen nach dem Kalender. Und es gab anonyme Briefe, der Sittenverfall wurde beklagt, Spott, „aber auch Liebesbriefe!“ Lob und Anerkennung überwogen.^
So soll für 2010 wieder so ein ästhetischer Aktkalender mit „normalen“ Frauen von 50 bis 70 produziert werden, diesmal aber aus dem ganzen Vest. Über 100 Frauen haben sich dafür schon bei Stuckel-Lotz gemeldet. Interessenten erreichen sie unter Tel. (0171) 9386631. Infos auch unter www.kalenderladies.de.

