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Die lange Nacht von Biel

Vest. 3.254,65 Euro Sponsorengelder für das Kinderhospiz Recklinghausen haben Rainer Kauczor aus Klein-Reken und sein Laufpartner Lothar Schikorr aus Marl-Polsum beim legendärsten 100 km-Lauf der Welt in der Schweiz erlaufen. Unterstützt hat sie Kauczors 25-jähriger Sohn Robin als Fahrradbegleiter. Die 100 km von Biel hatten in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag.

Kauczor hat seinen Lauf dem Kinderhospiz Recklinghausen gewidmet und im Vorfeld versucht, Sponsoren zu finden, die ihm für jede Minute, die er unter der maximalen Zielzeit von 22 Stunden bleibt, einen Betrag von 10 Cent zu zahlen, die an das Hospiz gehen. 3.254,65 Euro kamen dank dem Mercedes-Center Lueg in Recklinghausen, der Firma Ha-Ra und dem Fliesenparadies Marl zusammen.

Regen war angekündigt und bei recht niedrigen Temperaturen gingen 2.749 Läufer pünktlich um 22 Uhr an den Start. 401 von ihnen erreichten das Ziel nicht. „Es ging zunächst durch die Stadt Biel, in der viele Zuschauer an der Strecke standen und uns verabschiedeten“, berichtet Kauczor. „Nach 5 km verließen wir Biel und es wurde dunkel. Mit Stirnlampen bewaffnet, versuchte man auf den Feld-und Waldwegen die größten Hindernisse rechtzeitig zu erkennen um nicht bei einem unachtsamen Schritt zu stürzen.“

Einen Marathon zu laufen ist schon schwer, „aber 100 km sind eine unvorstellbare Entfernung für einen Läufer“, weiß der Marathoni. Nach km 38,8 kam das erste Zwischenziel, wo man schon vielen Läufern die Strapazen am Gesicht ablesen konnte „und über Sinn und Unsinn seines Handelns macht man sich sowieso schon seit mindestens zwei Stunden Gedanken“, rekapituliert der Klein-Rekener. „An dieser Stelle ist bei einem Marathon für die meisten Teilnehmer nach knapp fünf Stunden die Anstrengung zu Ende, wir hatten noch sieben bis neun Stunden vor uns.“

Anstrengend genug war es auch für Fahrradbegleiter Robin. „Lothar und ich liefen nicht zusammen, wir waren einige Minuten voneinander getrennt, sodass er immer pendeln musste. Er machte seine Sache hervorragend, versorgte uns mit aufmunternden Worten und als es wärmer wurde, mit frischer Kleidung.“ Nach zehn Stunden erreichte Kauczor das dritte und letzte Teilziel bei km 76,6, mittlerweile auf Rang 1.451 liegend.

Bei einem Marathonlauf spricht man von sieben Phasen, berichten Kauczor und Schikorr: Euphorie, Schock/Ernüchterung, Verleugnung, Isolation, Verzweifelung, Bestätigung und Begeisterung/Erneuerung. „Nach spätestens 8 Stunden befindet man sich irgendwo zwischen Phase 4 und 5 und schwört so etwas nie wieder zu tun.“ Auf den letzten 23 Kilometern bei strahlendem Sonnenschein und steigenden Temperaturen sei bei vielen Teilnehmern die Verzweiflung erkennbar gewesen, „viele stehen mit krampfverzerrtem Gesicht bei Dehnübungen am Straßenrand oder bewegen sich nur noch humpelnd vorwärts“. Gesprochen wurde schon lange nicht mehr, dass war den meisten Läufern zu anstrengend.

„Ich versuchte, die Schmerzen in meinen Beinen dadurch zu ignorieren, dass ich immer öfter an den guten Zweck meines Laufes dachte. Jede Minute war immerhin ca. 6,25 Euro wert, so viele Sponsoren habe ich gefunden.“ Nicht das Beginnen werde belohnt, sondern nur das Durchhalten, sagte Kauczor sich in dieser Phase. „Kurz vor dem Ziel übergab mir mein Sohn ein vorher angefertigtes Plakat, auf dem ich mich bei den Sponsoren bedankte und welches ich beim Zieleinlauf hochhielt.“

13 Stunden und 19 Minuten und der 1.354. Platz waren für ihn eine neue persönliche Bestzeit für die 100 km von Biel. Der Scheck über die 3.254,65 Euro wurde jetzt im Center Recklinghausen der Fahrzeugwerke Lueg an das Kinderhospiz übergeben.

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