Marl (eib). Die Einrichtung einer Schießanlage in einem Nebengebäude der Ernst-Immel-Realschule nimmt Formen an. Politik und Verwaltung haben offensichtlich schon ihren Segen dazu gegeben – gegen den energischen Widerstand der Schule.
Der erste Versuch Ende 2007 war noch erfolgreich abgeblockt worden. Da hatte die Verwaltung in den Weihnachtsferien den Wunsch der Hülser Schützen bekannt gegeben, in den früheren Räumen des TSV Marl-Hüls eine neue Heimat zu finden, einschließlich eines Schießstandes.
Keine ungewöhnliche Idee, schließlich gibt es auch schon Schießstände in den Schulen in Polsum und in Hamm. Und es hat noch nie Probleme oder Proteste gegeben. Doch in Hüls war das anders. Nicht zuletzt wegen der Tragödien, die waffentragende Jugendliche in Deutschland und den USA in Schulen angerichtet hatten. Der Ernst-Immel-Realschule ging es ums Prinzip.
Die Politiker zeigten zwar Verständnis für den Traditionsverein, den kaum jemand mit bedrohlichen Waffenträgern in Verbindung bringt. Gleichwohl einigte man sich im Schulausschuss auf die Lösung: Vereinsheim ja, Schießen nein. So einen Vertrag akzeptierten auch die Schützen.
Auch die Bürgermeisterin war vom Anliegen der Schule überzeugt, sagt Schulleiter Ludger Quante. Um so mehr war er überrascht, als er in den Osterferien erfuhr, dass sich Uta Heinrich wieder gewandelt habe – nun soll es doch den Schießstand geben. Die Schützen weigern sich, den vereinbarten Vertrag zu unterschreiben. Und eine politische Mehrheit für den neuen Richtungswechsel gibt es auch schon: Die CDU lobte ausdrücklich die Lösung, die SPD will sie dulden, so lange die Schule keinen eigenen Bedarf geltend machen kann. Nur die Grünen protestierten bereits heftig und verlangen eine neue Diskussion in den Ausschüssen (von Schul-über Sport-und Immobilien-Ausschuss bis hin zum Rat).
Die Schützen sind sich ihrer Sache sicher und haben auf den Boden schon die baulichen Veränderungen eingezeichnet. Handeln können sie noch nicht. Dafür müssen sie erst auf die Zustimmung des Vermieter warten – die Stadt.

