
Marl. Was ist eigentlich Kunst wert? Schwer zu sagen, hieß es bislang im Rathaus. Doch nun ist der Wert der städtischen Kunst bis auf den Euro genau ermittelt: 6.584.081 Euro stehen in der Eröffnungsbilanz der Stadt.
Bislang hatte das Skulpturenmuseum darauf verwiesen, dass es nicht einmal eine genaue Inventurliste gab und dass Schätzungen nicht gewagt wurden. Doch seit die neue Buchführung Pflicht ist, gilt die Ausrede nicht mehr. Maßstab ist der Versicherungswert. Aber die 6,5 Millionen sind nicht alles: Der Ansatz für die Leihangaben muss noch einmal überprüft werden, ebenso eine Bewertung für Zuwendungen.
Im Oktober hatte sich das Vermögen der Stadt schlagartig um mehr als 300.000 Euro verringert. So viel war die Skulptur „Spielende Frau“ von Giacomo Manzu in Künstlerkreisen wert, die Unbekannte von ihrem Sockel rissen und abtransportierten. Gewinn für die Diebe: Nur 300 Euro als Schrottansatz.
Übrigens: Die Marler Kunstschau ist täglich und kostenlos. Selbst der Eintritt in das Skulpturenmuseum (unter dem Ratssaal) ist kostenfrei.
Während an der einen Stelle der scharfe Blick auf die Zahlen das Vermögen der Stadt mehrt, führt dieser Blick an anderer Stelle zu Verlusten, genauer gesagt zu Nachzahlungen. Für das Theater muss die Stadt nämlich jetzt mehr als 17.000 Euro mehr zahlen: Das Finanzamt hat die Bühnentechnik mit einer Steuer belegt.
Schon vor neun Jahren war die Stadt auf die finanzkreative Idee gekommen, das sanierungsbedürftige Theater an die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft Neuma zu verkaufen, von ihr umbauen zu lassen und dann wieder anzupachten. Jetzt stellte sich heraus, dass auf die Bühnentechnik Mehrwertsteuer zu zahlen ist, macht rückwirkend für 2003 bis 2008 fast 80.000 Euro. Ab 2009 muss die Stadt für ihr Theater mehr als 370.000 Euro Miete zahlen.

