Vest. Der schönste Tag des Lebens, in dem der erste Bürger der Stadt mit die wichtigste Rolle spielt – das ist für manche Brautpaare der Höhepunkt. Der Bürgermeister hat längst seine Rolle als Standesbeamter entdeckt, als emotionale Bindung zwischen Bewohnern und Stadt. Eine Rolle, die für das ganze Leben von Bedeutung ist.
Dr. UIi Paetzel war traurig. Der Bürgermeister von Herten durfte Eheschließungen begleiten und Traureden halten. Doch wenn es formal wurde, trat er zur Seite und überließ dem Standesbeamten die Aufgabe. Seit zwei Jahren ist das anders. Paetzel ist Standesbeamter, ehrenhalber. „Ich werde aber nur in Einzelfällen trauen“, betont er. Bei Menschen, die eine persönliche Bindung zu ihm haben.
Auch Recklinghausens Bürgermeister Wolfgang Pantförder traut regelmäßig im Rathaus. Er hat die größte Erfahrung: Seit Ende 2000, gerade erst ein Jahr im Amt, nimmt er die Zeremonien vor.
„Kraft Gesetzes erkläre ich Sie zum rechtmäßig verbunden Ehepaar.“ Das sagte Halterns Bürgermeister Bodo Klimpel erstmals im Dezember 2010. Die Getrauten fanden es nett, der Bürgermeister gratulierte und war ein bisschen gerührt: „Für uns drei ist es das erste Mal.“ „Ich wollte es schon immer machen, weil ich das Amt schön finde“, erklärte er.
Ein Drei-Tage-Lehrgang hat auch den Dorstener Bürgermeister Lambert Lütkenhorst fit gemacht – bis hin zu kniffeligen Fragen des internationalen Namensrechts. Im Dezember 2009 nahm er im Schloss Lembeck zum ersten Mal sein Ehrenamt wahr. „Ich habe mich heute getraut, Sie zu trauen“, begrüßte er das Brautpaar. Standesamtsleiter Wolfgang Müller war im Hintergrund dabei und lobte anschließend seinen Chef.
Er habe nicht tatenlos zusehen wollen, dass mehr als 60 Paare jährlich außerhalb Dorstens (hauptsächlich Raesfeld) getraut werden. Er fühle sich nicht als Standesbeamter für VIP-Kundschaft, sondern als „Reserve-Spieler“.
So sieht das auch Marls Bürgermeister Werner Arndt, der seit Sommer 2013 „Ehrenbeamter“ ist. Drei Vollzeit und zwei Teilzeit-Standesbeamte hat Marl bereits. Wann er „einspringt“, dafür gebe es keine festen Regeln. Er mache das auf Anfrage, richtete die Pressestelle aus.
Vorteile haben die Bürgermeister-Standesbeamten dadurch nicht, jedenfalls keine finanziellen. Und wenn sie eines Tages nicht mehr Bürgermeister sind, dann können sie nicht als Standesbeamte weitermachen. Das Recht entfällt mit dem Ausscheiden aus dem Rathaus.

