
Vest. Die „Nassen Brüder“ sind betroffen und „Lust auf Leben“, die Kanu-Fahrer, Kanu-Freunde, Kanu-Klubs und Kanu-Abteilungen. 20 Vereinen zwischen Waltrop und Dorsten droht eine deutliche Einschränkung ihres Hobbys: Die Lippe soll in den fünf Wintermonaten tabu sein. Weil sie so beliebt ist.
Vom Münsterland bis tief ins Ruhrgebiet hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass die Lippe ein wunderschöner Fluss ist und überhaupt nicht dreckig. Immer mehr Kanuten kommen, 1000 sind in den Vereinen längs der Lippe im Vest versammelt. Aber die kommerziellen Anbieter sind auch da. In Dorsten kann man gar Flöße buchen.
Das haben die Naturschützer jetzt auch gemerkt und wollen nun einen scharfen Schnitt machen: Wenn im Winter der Halterner Stausee zufriert, dann sollen die Tiere als Ersatz die Lippe nehmen. Dafür müssen die Kanuten weichen, erklärt die Bezirksregierung.
„Wir müssen ein Konzept erarbeiten, das Rücksicht auf den Naturschutz nimmt, aber auch Vereinsmitgliedern und gewerblichen Anbietern die Möglichkeit gibt, die Lippe zu nutzen.“ Ulrich Clausing, Geschäftsführer Freizeitsport beim Deutschen Kanuverband, will ein Konzept für alle Nutzer, nicht nur für die Kanuten. Ein Gesamtkonzept für die Lippe statt der derzeitigen Befahrungsregeln und einzelnen Verbote müsse der Weg sein.
Denn vom winterlichen Fahrverbot sind nur die Kanufahrer betroffen. Die Profi-Anbieter nehmen ohnehin im Winter eine Auszeit. Dafür sind sie im Sommer voll da, erklärte Dalia Pospiech, Gewässer-und Umweltschutzbeauftrage des Kanuverbandes in Marl.
Und an den Ufern ist auch immer mehr los. Campen und Feiern ist beliebt, Spaziergänger beklagen Müll und Autos auf verbotenen Wegen. Die Städte sind nicht zuständig.
Längs der Lippe reiht sich ein Naturschutzgebiet an das nächste. Anlegestellen sind klar definiert, derzeit sind es 15 im Kreisgebiet. Manchmal sind sie für Ungeübte ein Problem, wie unter der A43. Da kann die die Strömung den Kanuten leicht ins (verbotene) Naturschutzgebiet reißen.
Handlungsbedarf leugnet keine Seite. Die Bezirksregierung, gewerbliche Anbieter, der Kanuverband und mehrere Fachbehörden stehen im Gespräch, bis 2014/15 soll eine Neuregelung stehen, dann läuft die derzeitige, 20 Jahre alte Regelung aus. Auch die Nebenflüsse (wie die Stever) sollen dann tabu sein.
Ein Ausweichen auf den Wesel-Datteln-Kanal kommt für die Kanuten nicht in Frage. Auch wenn dort ihre Vereinsheime stehen. Die Frachtschiffe werden immer größer, die Motoren immer stärker, die Gefahr für die Kanuten immer größer. Letztes Jahr kenterte ein Boot im Sog. Die Sportler retteten sich, ihr Kanu wurde nicht wieder gefunden. Auch nicht von Tauchern.

