
Haltern (rk). Die Axt jagt durch die Luft, Holz splittert – gespannt verfolgen die Zuschauer das Geschehen an der „Mia-Schanze“ im Disselhof: Die Sappeure in Lederschürzen und gelben Hemden, kommen zur Sache. Schweiß fließt. Ihre hohen Bärenfellmützen haben sie abgelegt. Die immer wiederkehrenden Axtschläge zerkleinern die bis zu 20 Zentimeter dicken Birkenstämme, die dann zur Seite geräumt werden. Nach 90 Minuten ist die Schanze beseitigt …
Auch an diesem Montag, 6. Juni, ist es wieder der Höhepunkt des Schützenfestes: das Stürmen der „Miaschanze“ und anschließend der „Riaschanze“ am Eingang zum Lipptor.
„Die Schanzen haben den Sinn, den Weg zum Königspaar zu versperren und gegen einen kleinen Obolus werden die Sappeure aktiv“, erklärt Vizepräsident Frank Leopold von der veranstaltenden Schützengilde Haltern das Ritual. Sappeure waren früher die Soldaten, die die Laufgräben für einen Angriff bauten.
„Die sind mit hochwertigen Äxten ausgerüstet. Der Bürgermeister und der Schützenvorstand haben die Aufgabe mitzuhelfen, den Weg freizuräumen. In den abgesperrten Bereich vor der Schanze darf keiner hinein, nur der Bürgermeister, der Schützenvorstand und das Königspaar dürfen ihn gegen einen Obolus betreten.“ Bürgermeister und Vorstand würden fünf Minuten lang Stämme durchschlagen. Danach treten die Hauptakteure in Aktion: die „Bären“, wie die Sappeure landläufig genannt werden. Die Nachbarschaften Disselhof und Mühlentor/Lippmauer bauen die Schanzen auf, die Schützengilde liefert das Holz.
Ernst Dzykowski gehört zur Disselhof-Nachbarschaft, seit 40 Jahren baut er die Miaschanze mit auf. „Das Schanzenstürmen hat eine lange Tradition“, erzählt der 59-Jährige. „Schon vor dem Zweiten Weltkrieg ist die Miaschanze immer von den Nachbarn aufgebaut worden. Montag um sieben Uhr holen zwölf Männer die dünneren Birkenstämme die für die Verkleidung der Schanze aus dem Busch. Zwei Stunden brauchen sie für das Verarbeiten. Andere Nachbarn legen die dickeren Birkenstämme quer über die Straße.“ Mehr als ein Dutzend Frauen kümmern sich um das leibliche Wohl. „Die Mia-Puppe aus Porzellan wird eine Woche vorher von den Nachbarsfrauen neu angezogen und dann in der Mia-Schanze als Blickfang gehängt.“
Am Dienstag ab 15 Uhr können die Zuschauer das Schanzenstürmen im Disselhof verfolgen.
1954 haben sich die Sappeure Haltern neu gegründet. Zwei Jahre später übernahm Hermann Bohmert das Amt des Hauptmanns und führte die Sappeure bis 1968 an. Dann gab es eine Neugründung, Heinz Bußmann wurde Hauptmann (bis 1980). Heute gibt es elf aktive und rund 30 passive „Bären“.
Infos unter www.sappeure-haltern.de.
Foto 2: Die Sappeure beim Beseitigen der „Miaschanze“ vor zwei Jahren.

