
Schacht Polsum aus der Luft. Foto: Google
Marl. Die Einwohnerzahl „um jeden Preis“ zu erhöhen, das ist der falsche Weg. Und Marl beansprucht längst nicht so viel Siedlungsfläche wie oft vermutet, weshalb noch Platz für weitere Industrie-und Gewerbegebiete ist. Zwei Aussagen in einem 19-seitigen Bericht der Stadtverwaltung zur Zukunft der Stadt.
Flächen für neue Industrieansiedlungen, für Ausweitungen, für neue Arbeitsplätze, das sind die wesentlichen Grundlagen für eine Entwicklung Marls. Der Bericht formuliert es umgekehrt: Ohne neue Flächen drohe der Stadt „ein existenzbedrohender Substanzverlust“.
Derzeit habe Marl nur noch für drei Jahre Industrie-und Gewerbeflächen, warnt die Verwaltung. Denn der Industriepark Dorsten-Marl sei in zwei Jahren voll, in Frentrop stünden nur noch drei Grundstücke zur Verfügung. „An der Herzlia Allee/B 225 gestalten sich die Gespräche aktuell ebenfalls so, dass in ca. drei Jahren mit einer vollständigen Belegung der dort zur Verfügung stehenden Fläche zu rechnen ist.“ Bislang war hier ein chinesisches Welthandelszentrum angedacht, noch steht erst ein Baumarkt auf dem Eckgrundstück.
Für das AV-Zechengelände fordert die Stadt „Rahmenbedingungen für eine Folgenutzung der Fläche“, sobald der Bergbau gegangen ist (Ende 2015). Auch der Schacht Polsum steht auf der Liste der Flächen, die man für Industrie und Gewerbe nutzen könnte. Ausweitungen soll es in Lenkerbeck, Stübbenfeld (Alt-Marl) und Schwatten Jans (Frentrop) geben. So steht es in der Vorlage der Verwaltung, die zugleich auf ihre detaillierten Vorstellungen vom Spätherbst 2010 hinweist – allerdings hatte sie die Vorlage im November wieder zurückgezogen.
Mehr Industrie und Gewerbe soll auch die Menschen intensiv an die Stadt binden. Anders als bislang behauptet verliere Marl nicht Einwohner durch Abwanderung, sondern wegen des Sterbeüberschusses. Im ersten Halbjahr 2010 habe Marl einen Zuwandergewinn von 84 Personen gehabt.
Zugleich warnt die Verwaltung vor einem „undifferenzierten Werben“ um neue Einwohner. Das könne zu einem Ansteigen von Hartz-IV-Empfängern führen „und mithin zu einer erheblichen Mehrbelastung des kommunalen Haushaltes“. Die Statistik belegt diese Aussage.
Was kann die Wirtschaftsförderung zur Entwicklung Marls beitragen? In 16 Punkten werden die Möglichkeiten detailliert aufgelistet. Auch ein „standortbezogenes Binnenmarketing“ gehört dazu, ein Instrument, das bislang in Marl so gut wie gar nicht genutzt wird. Dazu gehört unter anderem: Unternehmerpreis für standortförderndes Handeln, Ehrung von Betrieben mit besonderem Ausbildungsengagement, Lokaler Unternehmerpreis Integration, Akademie „Kultur und Beruf“ – Qualifizierungszentrum für Arbeitsfelder im Kulturbetrieb auf Schacht 8, Plattform für familienfreundliche Unternehmen.

