Marl. Neue Abbauverfahren unter dem südlichen Münsterland und nördlichen Ruhrgebiet sorgen für Unruhe. Es geht um Gas. Erst kommt der Halterner Stausee ins Gerede, weil eine Verseuchung beim Fracking-Verfahren befürchtet wird, jetzt hat sich eine Evonik-Tochterfirma Abbaufelder im Umfeld von Marl gesichert, um hier möglicherweise Flözgas zu gewinnen. Ob sich das lohnt, ist noch nicht untersucht.
Zwei Tochterfirmen von Evonik haben sich des Themas angenommen: „Mingas Power“ und „Minegas“ (Mine = Grube), deren Kerngeschäft die Verwertung von abgesaugtem Grubengas aus stillgelegten und aktiven Bergwerken in NRW zur Strom-und Wärmeerzeugung ist.
Grubengas ist das Gas, das beim Bergbau freigesetzt wird und bei hohen Konzentrationen zu Schlagewetterexplosionen führen kann. Ihre wirtschaftliche Nutzung galt früher nicht als attraktiv, das hat sich erst im Laufe der Zeit geändert.
Infos aus zweiter Hand
Flözgas (CBM – Coal Bed Methan) heißt das Gas, das noch nicht von bergbaulichen Aktivitäten beeinflusst ist. Eine wirtschaftliche Förderung lohnt nur unter bestimmten Lagerstättenbedingungen (z.B. ausreichenden Gasdrücken), durch Bohrungen oder das bereits in Verruf geratene Fracken (Explosionen schaffen Hohlräume, aus denen das Gas abgeleitet werden kann). Bei diesem Verfahren wird befürchtet, dass Gift in das Grundwasser gelangen kann – eine verheerende Folge für den Halterner Stausee.
Vorsorglich hat sich Mingas Power schon mal die Felder Herbern-Gas (Flözgas), Marl-Gas und Hohe-Mark-Gas (je Flözgas und Grubengas) gesichert. Es seien aber dort keine Probebohrungen beantragt und auch zurzeit keine geplant, betont der Pressesprecher Dr. Jürgen Fröhlich (Evonik Steag Geschäftsfeldentwicklung Energie).
Die Felder liegen im wissenschaftlichen Erlaubnisfeld „CBM Münsterland“, das sich die RWTH Aachen für ein Forschungsprojekt hat verleihen lassen. Derzeit laufen literaturwissenschaftliche Erhebungen, die in Kürze vorliegen. Dem soll sich eine wissenschaftliche Machbarkeitsstudie anschließen. Erst danach könnten Probebohrungen folgen.
Ob es zu einer Förderung kommt, das lasse sich derzeit nicht sagen.
Am Donnerstag informierte sich der Stadtplanungsausschuss. Nicht aus erster Hand (von den möglichen Förder-Unternehmen) sondern aus zweiter Hand (von Gelsenwasser, das über die Gefahren für den Stausee berichtete).

