Marl. „Warum sollte es nach dem Vorbild von Universitäts-Kliniken nicht auch ein Forschungs-Bergwerk in Kooperation mit einer Hochschule geben?“ Mit dieser Frage bringt Marls Bürgermeister Werner Arndt die Zeche Auguste Victoria ins Spiel, nachdem vor einigen Tagen NRW-Wirtschaftsminister Voigtsberger seinen ungewöhnlichen Plan vorgestellt hat, die Chancen für ein Bergwerk in Kooperation mit einer Hochschule auszuloten.Nur so könne Deutschland seine weltweite Vorrangstellung bei innovativer Bergbautechnologie nach dem Bergbau-Ende 2018 behalten und „auch eine beachtliche Anzahl von Arbeitsplätzen“ sichern.Ein Beweis liefert das Marler Bergwerk. Hier arbeite ein neuer, hochmoderner Walzenschrämlader, der dank leistungsfähiger Rechner und Kommunikationssystem sowie modernster Sensorik sehen, hören und fühlen könne. Er gelte weltweit als erste intelligente Gewinnungsmaschine unter Tage und ermögliche den automatisierten Kohleabbau auch unter schwierigsten geologischen Bedingungen. Die Gewinnungsmaschine, die schon heute als künftiger Exportschlager der deutschen Bergbautechnologie gelte, wurde vom Bochumer Bergbauzulieferer Eickhoff mit Unterstützung von Experten der Ruhrkohle AG und der Rheinisch-Westfälischen Technischen Universität Aachen entwickelt und auf dem Bergwerk Auguste Victoria in Marl ausgiebig getestet.Der Walzlader zeige, „welch Innovationen in der Zusammenarbeit zwischen der Bergbauindustrie, den Technischen Hochschulen und dem heimischen Bergbau möglich sind“, so Arndt, und dass ein „subventionsloses Referenzbergwerk durchaus im Rahmen des Möglichen und des Machbaren liege.Der Bürgermeister will deshalb den Minister möglichst bald zu einer Grubenfahrt nach Marl einladen.Schnelligkeit ist gefordert: Auguste Victoria ist das erste der drei noch offenen Bergwerke, das bereits 2015 geschlossen wird, weil dann die Betriebserlaubnis ausläuft.Grundsätzlich hat sich die Idee schon bewährt: Japan hat ein Referenz-Bergwerk für chinesische Zechenbetreiber.

