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Kaum Deutsch: Der Ehefrau droht die Abschiebung

Marl. Hendie Issa kümmert sich liebevoll um den Mann, den sie 2008 geheiratet hat und mit dem sie in Marl lebt. Doch bis zum Jahresende muss sie Deutschland verlassen und neu einreisen. Die Gesetze verlangen es. Gut möglich, dass sie die Rückreise zu ihrem Mann nicht schafft: Ihre Deutsch-Kenntnisse sind nicht gut genug.

Es ist die Geschichte einer komplizierten Familienzusammenführung, die hier zu scheitern droht. Charbal-Joseph Rezkalla, 26, sucht seit Monaten nach einer Lösung für seinen Vater.

Die Familie kommt aus Syrien. Vater Malak, 61, ist seit 1993 krank, hat schon vier Herzinfarkte hinter sich und trägt jetzt einen Herzschrittmacher. Der Tod seiner Frau 2007 hat ihn schwer mitgenommen, seitdem kümmern sich seine Kinder um ihn: Charbal-Joseph und seine fünf Schwestern, die aber alle verheiratet sind. Deshalb liegt die Hauptaufgabe bei seinem Sohn.

Vor zwei Jahren wendete sich für seinen Vater das Blatt zum Besseren. Er habe sich bei einem Urlaub in Syrien neu verliebt, berichtet Charbal-Josef. Sie heirateten in Schweden und Hendie Issa, 46, zog zu ihrem Mann nach Marl.

In der Praxis war das einfach, doch jetzt kam die Theorie. Eigentlich hätte sie ein Visum gebraucht. Und um ein Aufenthaltsrecht zu bekommen, müsste sie den Einbürgerungstest bestehen. Schon Ende 2009 war sie zur Ausreise verpflichtet, den Sprachtest könnte sie ja in Syrien am Goetheinstitut machen.

So knallhart ist die Marler Verwaltung aber nicht. In der Vergangenheit war sie mehrmals heftigen Protesten ausgesetzt, als Menschen abgeschoben wurden. Rechtlich korrekt, menschlich völlig daneben. Seitdem hat Marl ein „Ausländerrechtliches Beratungsgremium“. Das kann sich zwar nicht über Gesetze hinwegsetzen, aber bei der Problemlösung assistieren. Im Fall Hendie Issa bedeutete das: Die Frau darf bis Ende 2010 in Marl bleiben, muss aber den Sprachtest bestehen.

Und das ist ein Problem. „Sie versteht Deutsch, kann auch einiges sprechen“, so Charbal-Joseph Rezkalla. Doch der 46-Jährigen falle das Erlernen schwer. Wahrscheinlich wird sie auch die Wiederholungsprüfung nicht schaffen.

Und selbst wenn, dann müsste sie zurück in ihre Heimat, dort einen Einreiseantrag stellen.

Schafft sie die Prüfung nicht, muss sie sowieso zurück in ihre Heimat. Eine entsprechende Vereinbarung hat sie bereits unterschrieben.

„Unmöglich“, ist Charbal-Joseph verzweifelt. Sein kranker Vater brauche Hilfe und Pflege, die ihm nur seine Frau geben könne. Und er braucht medizinische und ärztliche Hilfe, die er nicht hätte, wenn er gemeinsam mit seiner Frau nach Syrien ginge. „Das ist auch keine Lösung.“

Die Lage ist verzwickt. Inzwischen hat der Sohn seine Arbeit verloren. 700 Euro hat die Familie aufgetrieben, um eine Juristin zu bezahlen. Aber auch die sehe die Chancen gering.

Jetzt hofft er darauf, dass die Härtefallkommission des Landes die Notlage seines Vaters höher einschätzt als die Notwendigkeit, gut Deutsch sprechen zu können. „Ich weiß nicht mehr weiter“, wendet sich Charbal-Josef Rezkalla nun hilfesuchend an die Öffentlichkeit.

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