Dorsten. Die Ratsprotokolle aus dem 17. Jahrhundert sind einmalige Schätze des Stadtarchivs. Das fand offenbar auch ein Dieb, der sie mit einer Rasierklinge aus einem Einband schnitt. 30 Jahre später sind sie wieder aufgetaucht. Doch zu bestrafen gibt es nichts, stellte die Staatsanwaltschaft fest und schloss die Akten. Die Stadt protestiert.
In den 80er Jahren (offenbar 1987) waren die Dokumente verschwunden: 28 Seiten mit Handschriften aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Sie tauchten im vergangenen Jahr wieder auf, als sie im Internet verkauft wurden – für 70 Euro wahrlich ein Schnäppchen.
Der Käufer war ein Dorstener, der sich in gutem Glauben an den Vorsitzenden des Heimatvereins wandte. Der möge ihm doch beim Entziffern der Schriftstücke helfen.
Die Stadt erstattete gegen den Verkäufer, ebenfalls ein Dorstener, Anzeige wegen Hehlerei. Wegen des geringen Kaufpreises befürchtete Bürgermeister Lütkenhorst, dass die Staatsanwaltschaft es bei einer Verwarnung belassen werde. Nicht angemessen, fand das der Rat angesichts der Bedeutung der historischen Dokumente.
Der Verkäufer habe eine Erklärung geliefert, die nicht zu widerlegen war, teilte Lütkenhorst nun mit: Er habe die Dokumente auf einem Trödelmarkt gekauft, wisse aber nicht, wo und wann.
Völlig unglaubwürdig, meint Lütkenhorst. Denn der Verkäufer war bereits in den 90er Jahren wegen Diebstahls anderer Schriftstücke aus dem Stadtarchiv angezeigt worden. Das Verfahren wurde eingestellt, weil die Tat (nach fünf Jahren) verjährt war.
Dass dem Verkäufer bei seiner Sachkenntnis den Wert der fast 400 Jahre alten Protokolle nicht erkannt haben will, überraschte den Bürgermeister. Seine Aussage sei „völlig unglaubwürdig“.

