Marl. Die Zusammensetzung wurde kräftig durchgeschüttelt, doch eigentlich bleibt es beim Alten: Der Marler Rat bleibt eine Viel-Parteien-Einrichtung mit nunmehr sogar zehn Gruppierungen: Jetzt sind auch noch die Piraten dabei und wieder Bündnis 90/Grüne.
Klarer Gewinner ist die SPD, die ihren Vorsprung ausbauen konnte und die Zahl ihrer Ratsmitglieder auf 21 steigerte. Die CDU-Fraktion hat weiterhin 15 Mitglieder. Alle anderen folgen mit weitem Abstand. Die Bürgerliste Wir für Marl hat nur zwei Sitze, die FDP und die Bürgerunion sogar nur noch einen, die Linke hat zwei, ebenso wie die Wählergemeinschaft Grüne und die Bündnis-Grünen. Die Piraten schafften einen Sitze, die Unabhängige Bürgerunion zwei.
Diese Tendenz zeichnete sich schon früh am Sonntagabend ab. Im Rathaus verfolgten lediglich zwischen 60 und 80 Zuschauer die Präsentation der ständig aktualisierten Zahlen auf einer Großleinwand. Überwiegend SPD-Anhänger waren gut gelaunt, die anderen zitterten bei jedem Bildwechsel, ob sich das Wahlergebnis noch zu ihren Ungunsten verschlechtere.
Während Bürgermeister Werner Arndt zufrieden mit den Besuchern scherzte, war sein Herausforderer Uwe Göddenhenrich so gar nicht zufrieden mit der Entwicklung. Gemeinsam mit einem halben Hundert CDU-Anhängern verfolgte man die Ergebnis-Entwicklung im Hans-Katzer-Haus – wie schon seit 20 Jahren.
Es habe kaum Möglichkeiten gegeben, sich zu profilieren, beklagten die Politiker vielfach. „Aufregende“ Themen hätten diesmal gefehlt, was insbesondere den kleinen Parteien „schadete“. Die Saria-Ansiedlung in Frentrop, die Krankenhaus-Großküche in Alt-Marl oder die Flugplatz-Werft in Hüls-Süd rege in anderen Stadtteilen nicht auf.
Gleich nach der Wahl ging der Blick schon nach vorne: Am 15. Juni kommt es zur Stichwahl zwischen den Bürgermeisterkandidaten Arndt (47,6 Prozent) und Göddenhenrich (25,7). Der Einzelkandidat Willi Thewes hatte 5,7 Prozent geschafft.
Die SPD hat sich bereits auf Peter Wenzel als Fraktionsvorsitzenden verständigt, die CDU will erst die Bürgermeisterwahl abwarten.
Die Piraten haben schon signalisiert, dass sie einen Partner suchen wollen, um einen Fraktionsstatus zu erreichen (2 Ratsmitglieder). Bei FDP und BUM wird eine Zusammenarbeit erwartet; beide hatten schon in letzter Zeit einen „Gleichklang“ gezeigt.

