Marl. Es ist leer geworden neben dem Chemiepark. Die Wohnhäuser der Schlenke-Siedlung sind schon lange weg, jetzt sind auch fast alle Bäume gefällt und in den letzten Tagen verschwand sogar noch ein kleiner Rest Marler Stadtgeschichte: Die ehemalige Piusschule an der Paulusstraße wurde abgebrochen.
Zwischen der Wulfener Straße in Brassert und der früheren Westgrenze des Chemieparks ist nun alles platt, 40 Hektar warten auf neue Nutzer. Doch von einer konkreten Bebauung ist noch keine Rede.
Bevor sich eine Firma hinter dem frischen Zaun ansiedeln kann, müssen noch einige Aufgaben erledigt werden. Noch ist der Bebauungsplan nicht endgültig verabschiedet. Derzeit wird mit der Stadt über einen städtebaulichen Vertrag gesprochen. Denn es wird eine neue Zufahrt gebaut, das Tor 6 wird nach Süden verlegt, etwa in Höhe des alten Bauernhauses, das auf der westlichen Seite der Wulfener Straße liegt.
Dieses Haus (Baujahr 1711) sollte mal als „Begrüßungsgebäude“ stehen bleiben, umgeben von einem neuen riesigen Parkplatz. Die Pläne haben sich geändert, das Haus wird nicht gebraucht. Da es unter Denkmalschutz steht, wird es sorgfältig abgebaut und an anderer Stelle wieder errichtet. Ein Platz im Rheinland soll schon gefunden sein.
Marode war dagegen das alte Schulgebäude, ehemals eine Volksschule, später, als der Chemiepark sie umschloss, wurde sie für Schulungszwecke genutzt, seit Jahren steht sie leer und wurde 2006/7 entkernt. Jetzt ist sie ganz weg.
Von den Fällarbeiten wurden fast alle Bäume erfasst. Was stehenblieb ist kein Zufall, sondern das sind die Schlafplätze von Fledermäusen. Erst wenn sie sich im Herbst einen neuen Winterplatz suchen, werden die letzten Bäume gefällt. Dann bleiben nur noch die übrig, die den Dümmerbach begleiten. Ein schützenswertes Gewässer mitten durch ein Chemiegelände.
Noch ragen die Baumstümpfe aus der Erde. Sie können erst gerodet werden, wenn der Kampfmittelräumdienst da war. Wer weiß, welche Reste aus dem Zweiten Weltkrieg in den letzten 70 Jahren hier überwuchert wurden.

