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Wanderfalkenpaar zu Gast im Marler Chemiepark

Marl. Die Wanderfalkenpopulation ist im Vormarsch in Nordrhein-Westfalen. Und so nimmt es nicht wunder, dass ein Wanderfalkenpärchen im Chemiepark Marl ein Zuhause gefunden hat. Ein neu angebrachter Nistkorb am Luftansaugkamin der Luftzerlegungsanlage soll ihnen das sichere Brüten ermöglichen.

„Beeindruckend!“ findet das Kerstin Fleer, denn der Wanderfalke ist eine sehr seltene Vogelart in Deutschland. Die Produktmanagerin bei Evonik gehört zur Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz des NABU NRW. Das Team der Arbeitsgruppe hat das Vogelpaar entdeckt und sich um die Nisthilfe gekümmert.

„Der Wanderfalke war lange Zeit vom Aussterben bedroht und in den 70er Jahren in NRW sogar komplett ausgestorben“, erklärt Kerstin Fleer. Deshalb freut es sie umso mehr, dass sich bereits das zweite Wanderfalkenpärchen im Chemiepark zu Hause fühlt. Ein weiteres brütet schon seit elf Jahren erfolgreich in einer Nisthilfe am Kraftwerk am Kanal.

Falken bauen selber keine Nester. Der eigentliche Lebensraum besteht vor allem aus Felslandschaften, wo sie ihre Eier in Nischen ablegen. In das dort vorhandene Granulat drehen sie eine Mulde, um die Eier gegen Wegrollen zu sichern.

Da dieser natürliche Lebensraum in NRW kaum vorhanden ist, suchen sich die Wanderfalken hier Gebiete mit hohen Bauwerken, wie es der Chemiepark mit seinen Kaminen ist. Es fehlt aber häufig ein geeigneter Platz zum Brüten, weshalb Kerstin Fleer und ihr Ehemann Thorsten Thomas sich an den Leiter des NLA-Betriebs Johannes-Michael Offer gewandt haben. „Ich bin da sehr positiv eingestellt“, so der Verantwortliche für die Luftzerlegungsanlage. „Ich finde es schön, wenn sich hier so seltene Vogelarten ansiedeln.“

So machte sich Thorsten Thomas mit Unterstützung von Nicole Lohrmann, ebenfalls in der Arbeitsgruppe, gleich an die Arbeit und platzierte den mit Kies gefüllten Nistkorb auf der Lichtgitterrostbühne ganz oben am Kamin. „Dort werden nur sehr selten Arbeiten durchgeführt, sodass die Vögel niemanden stören und umgekehrt auch sie ungestört sind“, sagt Offer.

Ob es in diesem Jahr schon Wanderfalkennachwuchs gibt, ist unklar. „Die Brutzeit beginnt in der Regel Ende Februar“, erklärt Kerstin Fleer. „Aber im nächsten Jahr klappt es bestimmt.“

Und wer weiß: Vielleicht sind die Wanderfalken in diesem Jahr genauso spät dran wie der Frühling.

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