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Kann die Vestische noch sparen?

Vest. 63 Millionen Fahrgäste werden von ihr befördert, 231 Busse hat sie im Einsatz – und unterm Strich bleibt bei der Vestischen ein Defizit von über 25 Millionen Euro, von denen der Kreis 22 Mio tragen muss. Geht es nicht auch günstiger, fragt Dorstens Bürgermeister Lambert Lütkenhorst und verweist auf Wesel und Kleve, wo die NIAG ganz ohne Zuschuss auskommt.

Lütkenhorst geht es ums Sparen. Wie in allen Kreisstädten werden Steuern erhöht und Angebote gesenkt. Und da dürfe man doch auch über die 2,5 Mio nachdenken, mit denen Dorsten am Defizit der Vestischen beteiligt ist.

Zunächst mal: Wie macht das die Niederrheinischen Verkehrsbetreibe AG (NIAG)? Sie hat seit sechs Jahren einen privaten Mehrheits-Eigentümer und verrechnet die Gewinne im Güterverkehr mit den Verlusten im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Außerdem werden die Fahrer nach Haustarif bezahlt und damit schlechter als bei der Vestischen.

Die Kritik: Ein Steuersparmodell mit Tarifflucht und Lohndumping. Dorstens Bürgermeister wehrt sich gegen den Vorwurf, er ziele auf Privatisierung ab und wolle die bisherigen Strukturen zerschlagen.

Die Vestische sieht sich gut aufgestellt: Mit 1,30 Euro Defizit pro Kilometer liege sie im NRW-Mittelfeld, die Zahl der Mitarbeiter sank in 20 Jahren von 1139 auf 981 und die Bezahlung ist nicht üppig: Die Vestische hat 30 „Aufstocker“ (die beim Jobcenter zusätzliches Geld bekommen), sagt Landrat Cay Süberkrüb, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Vestischen ist.

Ausgerechnet in Dorsten, so stichelt die Vestische zurück, ist die Auslastung mit 58 Prozent besonders gering, nur Haltern (47 Prozent) liegt noch schlechter, im Schnitt sind es 66,1 Prozent.

Wenn es um Geld geht, ist die Vestische besonders hartnäckig, weiß Marl. Dort wollte man Wünsche nur erfüllen, wenn die Stadt die Kosten übernimmt.

Den Dorstener Sparwünschen wird sich die Vestische nicht verschließen können. Doch für überzogene Euphorie sieht Dorstens SPD-Chef Friedhelm Fragemann keine Veranlassungen: Nicht den „verführerischen Versprechungen“ der NIAG aufsitzen, warnt er. Und nicht auf den Rücken der Beschäftigten sparen.

Für die Beschäftigten der Stadtverwaltungen hat die Vestische derweil einen „Bonbon“: Als Großabnehmer könnten die Mitarbeiter 4 bis 12 Prozent Rabatt erwarten. Recklinghausen macht schon seit dem letzten Jahr mit, Herten ist in dieser Woche dazu gekommen. In Marl hat die CDU eine Prüfung angeregt.

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