
Vest. Kunst soll man betrachten können. Und ein Autofahrer hat eigentlich gar keine Zeit für eine Betrachtung. Also ist ein Kunstwerk in einem Kreisverkehr nicht am rechten Platz. So jedenfalls argumentiert die Europäische Union. Und deshalb verlangt die EU-Verordnung 2008/96/EG mehr Verkehrssicherheit und deshalb keine Kunst im Kreisverkehr.
Hinter dem Titel „Sicherheitsmanagement für die Straßenverkehrsinfrastruktur“ verbirgt sich das Ziel, bis 2050 die Zahl der Verkehrstoten auf Europas Straßen auf null zu bringen: „Vision Zero“.
In der Praxis bedeutet das, das „starre Hindernisse“ nicht erlaubt sind. Wenn also ein Autofahrer so von einem Kunstwerk irritiert wird, dass er in dieses hineinfährt, dann ist das ein Problem. Die beste Lösung für einen Kreises heißt deshalb: ein flach bepflanzter Hügel. Ganz anders die liebevoll und beispielhaft gestalteten Kreisel in südlichen Ländern. In Deutschland unvorstellbar?
So manche Kreisverkehrs sind auch nicht mehr als eine pflegeleichte grüne Fläche. Das spart Kosten. In Marl war ein Kreisverkehr im Zuge der Bergstraße (Höhe Otto-Wels-Straße) allerdings mit eindrucksvollen Felsbrocken zu einem „Natur-Kunstwerk“ verwandelt worden. Genau solche Felsbrocken mussten in anderen Bundesländern schon wieder aus Kreisverkehren entfernt werden. Denn Kreisverkehrs mit Sicherheitsdefiziten müssen gegebenenfalls umgestaltet und von Hindernissen befreit werden.
So haben das einige Bundesländer ausdrücklich in Erlassen geregelt. Nur NRW plant das nicht, weil vieles aus der EU-Verordnung schon umgesetzt sei. In jedem Einzelfall werde mit einem Sicherheitsaudit geprüft, wie ein Kreisverkehr gestaltet werden soll, damit er sicher ist. Das könne im Einzelfall bedeuten, dass in einem Kreisel kein Kunstwerk aufgestellt werden darf, so das Ministerium.
Der Kreisel Hertener Straße/Tiefer Pfad in Recklinghausen wird gerade mit einer filigranen Kunst-Halbkugel gestaltet (Bild). In Marl soll bis Ostern ein 2,70 Meter großes Modell von AV 8 im Kreisel Otto-Wels-Straße/Loekamptor aufgestellt werden. Alles nicht mehr erlaubt?
Zum Betrachten eignen sich dann die Fußwege um die Kreisverkehre. Nicht das langsame Drumherumfahren.

