
Marl. Mehr als 400 Zuhörer waren hellauf begeistert: Ein Bundespolitiker als Hauptredner (Wolfgang Bosbach), der ihnen aus dem Herzen sprach und dafür immer wieder viel Beifall bekam. Der CDU-Neujahrsempfang im Marler Rathaus war wieder ein großer Erfolg, auch wenn sich die Überschrift „Halbzeit in Berlin – Worauf es jetzt ankommt“ sehr unspektakulär anhörte.
„Verlässlicher Kompass
Die Marler CDU-Vorsitzende Anke Ronge sah zum Auftakt zuversichtlich in das Jahr 2012: „Unsere Stadt ist wirtschaftlich stark, deshalb können wir die Aufgaben meistern.“ Allerdings dürfe die Stadt nicht von verschiedenen Interessen hin- und hergetrieben werden. Ignoranz und Inkompetenz dürften die Chancen der Stadt nicht verspielen. Einen „verlässlichen Kompass“ könne das christliche Menschenbild liefern.
Einen europaweiten Rahmen zog Wolfgang Bosbach, Bundestagsmitglied, Vorsitzender des Innenausschusses und Kritiker des europäischen Rettungsschirmes. Kein abgehobener Problemkreis, wie seine Zuhörer merkten, sondern direkt anbindbar an die Lebenswelt aller Bürger.
„Nur noch Skandale und Katastrophen
„Es gibt nur noch Skandale und Katastrophen“, beklagte Bosbach mit Blick auf die Medien. „Wir sollten ein bisschen gelassener werden. Wir regen uns viel zu sehr auf.“ Der Kalender der Mayas gehe vom Weltuntergang am 21. Dezember 2012 aus. Er habe in seinen eigenen Kalender geblickt und gesehen: Der gehe auch nur zehn Tage weiter.
Bosbachs Zuhörer schätzten besonders seine Sicht der Euro-Problematik: Wer hohe Risiken eingehe, der müsse auch das Risiko tragen. Es sei falsch, wenn die Risiken von den Märkten zu den Steuerzahlern verlagert werden, stellte Bosbach unter Beifall fest. Die Gewinne flössen in die Taschen der Spekulanten, die Verluste müssten wir alle tragen.
Deshalb lehnte er auch den Euro-Rettungsschirm ab (was ihm in der CDU harsche Kritik eingebracht hatte, in Marl aber viel Beifall). „Eine Schulden-Union ist etwas anderes als eine Euro-Union“. Jedes Land müsse für die Folgen seiner politischen Entscheidungen selber einstehen. Sonst drohe ein Auseinanderbrechen, weil am Ende auch die stärksten Volkswirtschaften die gewaltigen Defizite nicht mittragen konnten. Bosbachs optimistischer Schluss: Deutschland sei ein wunderschönes Land. „Es lohne sich, für dieses Land zu arbeiten.“ Dafür gab es stehenden Applaus.

