Vest. Die Salzbelastungen aus dem Bergbau werden die Renaturierungsmaßnahmen an der Lippe erhebliche beeinträchtigen. Das befürchtet der Verein VSR-Gewässerschutz (Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebenflüsse) nach der Auswertung von Untersuchungen zwischen Hamm und der Lippe-Mündung in den Rhein. Der Lippeverband widerspricht: Die Lippe wird seit Jahren immer besser. Viel wichtiger sei die Gewässerstruktur.
„Eine standortgerechte Flora und Fauna werden sich unter der sehr hohen Salzbelastung der eingeleiteten Grubenabwässer mit Chloriden nicht entwickeln können“, erklärt der VSR-Sprecher Harald Gülzow. Das Bergwerk Ost leite weiterhin Grubenwasser ein. Aktuelle Messwerte bestätigten den schon 2009 festgestellten hohen Salzgehalt.
Eine weitere Steigerung finde in Marl durch die Einleitung der Zeche Auguste Victoria statt. In Dorsten sei dann mit 425 mg/l der höchste Chloridwert gemessen worden.
Pro und Contra
Gülzow: „Bei dieser sehr hohen Chloridkonzentration überleben viele süßwasserbewohnende Kleinstlebewesen nicht mehr. Sie benötigen für ihre Existenz eine ausreichende Wasserqualität. Zu hohe Salzwerte schaden ihnen.“
Ergebnis: Die erwartete Artenvielfalt durch die Renaturierung vieler Uferabschnitte der Lippe bleibe aus. Der Bestand an Fischen, Krebsen und Amphibien werde beeinträchtigt, da sie nicht mehr ausreichend Nahrung finden.
Die Lippe sei nicht mit einem klaren Gebirgsbach vergleichbar, so der Pressesprecher des Lippeverbandes, Michael Steinbach. Früher habe es Salzwerte von bis zu 2500 mg gegeben. Seither habe sich die Artenvielfalt in und an der Lippe um ein vielfaches erhöht.
„Es ist ein Desaster, wenn die so bedeutende Renaturierung an der Lippe durch das Chlorid aus dem Bergbau beeinträchtigt wird. Das Salz behindert die Besiedlung mit standortgerechten Tieren und Pflanzen“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Gerade diese Maßnahmen hätten eine größere Wirkung auf die Lippe als würde man den Salzzufluss noch weiter verringern, argumentiert der Lippeverband.
Nach den derzeitigen Planungen des Bergbaus sollen bis über 2027 hinaus salzhaltiges Grubenabwasser in die Lippe eingeleitet werden. Der VSR-Gewässerschutz drängt auf eine Lösung, um die Salzbelastung in der Lippe so schnell wie möglich zu senken. Der Lippeverband plant eine Renaturierung der Lippe zwischen Haltern und Marl für fast 100 Millionen Euro.

