Vest. Der Umweltskandal eines Bottroper Müllentsorgers ragt bis ins Vest: Die beiden 2008 geschlossenen Schächte der Schachtanlage in Polsum sind möglichweise 2009 mit Material befüllt worden, die den Grenzwert für eine krebserregende Chemikalie überschreiten. Darauf haben anonyme Anrufe die RAG aufmerksam gemacht.
Aufgefüllt wurden die Schächte mit einem Beton-Zement-Gemisch, das vor Ort hergestellt wurde. Eine Kontrolle der Bücher habe den Verdacht genährt, dass dort auch nicht erlaubte Füllstoffe verwendet wurden, bestätigte RAG-Sprecher Christof Beike dem Sonntagsblatt. „Kontrollen haben ergeben, dass nicht alles sauber gelaufen sein kann.“ Die RAG hat Strafantrag gestellt und Untersuchungen eingeleitet.
Die Firma Becker will sich nicht zu den Vorwürfen äußern und verweist auf das laufende Ermittlungsverfahren. In Polsum sei „definitiv“ kein Giftmüll eingelagert. Die RAG spricht von „Inhaltsstoffen, die Grenzwerte überschreiten“.
Diese Stoffe seien aber in dem 800 Meter tiefen Betonkern fest gebunden und würden nicht in das Grundwasser austreten, so die RAG. Ob Probebohrungen gemacht werden, sie eine Frage, die die Staatsanwaltschaft beantworten müsse.
Der Bottroper Müllentsorger hatte zwischen 2007 und 2011 sechs Schächte für die RAG gefüllt, darunter Polsum (2), Altendorf und Auguste Victoria (1 und 2). Außer in Polsum gebe es aber keinen Verdacht auf eine kriminelle Handlung.

