
Terrorpilot Mohammed Atta besuchte zwischen 1996 und `98 Kurse im Sozialistischen Bildungszentrum in Oer-Erkenschwick
Oer-Erkenschwick (art). Am Sonntag vor zehn Jahren donnerte Flug elf der American Airlines in das World Trade Center. Gut einen Monat später donnerte ein Telefonhörer in Oer-Erkenschwick auf die Gabel: „Ich habe gefragt, wo die versteckte Kamera ist“, erinnert sich Lothar Urban. Der Reporter am Telefon hatte dem Leiter des Sozialistischen Bildungszentrums (SBZ) erzählt, Mohammed Atta, Drahtzieher der Anschläge vom 11. September, habe Seminare in seinem Haus geleitet.
Er behielt Recht. Das realisierte auch Urban nach einem Blick ins Archiv. Tatsächlich stand da ein Mann namens Mohammed El-Amir auf den Gästelisten von 1996 und '98 -das Synonym des Mannes, der wohl das Flugzeug in die Zwillingstürme gesteuert hatte. Urban übergab die Unterlagen dem BKA -„dem Beamten ging es da wohl ähnlich, wie mir“.
Wirklich erinnern konnte sich keiner an die insgesamt vier Männer, mit den arabischen Namen. Die Seminare waren von der Carl-Duisberg-Stiftung (C.D.G.) ausgerichtet worden, es ging um Entwicklungshilfe in Ägypten, dem Heimatland Mohammed Attas. Eine interne Hausmitteilung des SBZ vom 17.10.2001 erklärt: „Die Maßnahmen der C.D.G. waren (…) pflegeleichte Maßnahmen. Viele Teilnehmer, eine Woche Aufenthalt, (…) eine Rechnung.“
Heute, zehn Jahre später, geht im SBZ alles seinen gewohnten Gang. Die Welt dreht sich weiter. Vergessen wird Lothar Urban die Vorfälle wohl aber sein ganzes Leben nicht.

