
Vest. Es gibt hunderte von Denkmälern im Vest, ganze Siedlungen, Wegekreuze, kaum noch erkennbare Bodendenkmäler. Eines der bemerkenswertesten ist ein Marler Bahnhof: Die ehemalige „Wärterbude Nummer 5“. Sie wurde vor 107 Jahren in Lippramsdorf errichtet.
Als am 1. März 1875 die Bahnstrecke von Haltern-Sythen nach Wesel eröffnet wurde, gab es noch keinen Grund, in Lippramsdorf anzuhalten. Die Strecke war wichtig, um das in Haltern abgebaute Salpeter auf direktem Weg zur Festung Wesel zu bringen. Ein Jahr später, erklärte sich die Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft auf Drängen des Gemeinderates bereit, „versuchsweise und unter Vorbehalt“ einen Haltepunkt in Höhe des Hofes Altrogge einzurichten.
1883 wurde der Haltepunkt gebaut und mit einem Ofen nebst Rohr, Tisch, Bank, zwei Stühlen, Hängelampe, Kohlenkasten, Stocheisen, Spucknapf, Wasserflasche und zwei Gläsern ausgestattet. Das Gebäude, so wie es noch heute steht, wurde 1904 gebaut, die Gemeinde musste 10.000 Reichsmark beisteuern und das Gelände der Staatseisenbahnverwaltung überlassen.
Zumindest einmal, so wissen es noch die Lippramsdorfer, erfüllte die Strecke majestätische Aufgaben: Am 28. Mai 1913 passierte König Georg V. von England den Bahnhof. 20 Jahre später hielten schon 21 Züge hier, 800 Menschen stiegen in Lippramsdorf ein und aus, um entweder zur Zeche Fürst Leopold in Dorsten oder zu den Chemischen Werken in Marl zu gelangen.
Bei der kommunalen Neuordnung 1975 wurde die Grenze zwischen Haltern und Marl auf die Bahnlinie gelegt, der Bahnhof selber wurde Marl zugeschlagen. Denn die Chemische Industrie legte Wert auf die Strecke, weil sie eine Nordausdehnung bis hierhin im Auge hatte.
Heute ist die Bahnstrecke stillgelegt. Der Bahnhof wurde vor einigen Jahren von den Denkmalpflegern in einen perfekten Zustand versetzt. Es sei das am besten erhaltene Denkmal der Stadt, schwärmt man in der Verwaltung. Eine junge Frau betreibt hier einen Autohandel. Das Gebäude gibt es für Fans auch als Modell-Bausatz.

