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Nach dem Skandal: Ringen um neues Vertrauen

Marl. Der Neuanfang ist gemacht: Mit einem Ausbildungszentrum an der Recklinghäuser Straße, mit Sofortmaßnahmen-Kursen, mit Lehrgängen in erste Hilfe für Mütter und für Betreuer älterer Menschen. Der „Förderverein Bundesdeutscher Hilfsdienste“ geht nach 26 Jahren neue Wege, eigene Wege. Er schafft eine Distanz zum „Deutschen Hilfsdienst“, der sich auch gerade neu aufstellt.

Die Umorientierung ist die Folge einer Krise, eines Skandals am Ende einer 35-jährigen Erfolgsgeschichte (das Sonntagsblatt berichtete). Fritz Kardolsky, der 1969 den Autohilfsclub Edelweiß gegründet hatte, stellte im Laufe der Jahre einen beispiellosen Hilfsdienst auf die Beine. Ein professioneller Förderverein sammelte dazu Geld ein, das über Jahre in Projekte in Osteuropa floss.

Aber offensichtlich floss das Geld auch in die Tasche des doppelten Vereinsvorsitzenden. Das brachte nach dem Tod Kardolskys im November 2011 eine Überprüfung zu Tage. Es gab Anzeigen wegen Verdachts der Untreue – doch der Verdächtige ist tot. Und es gab eine Gegenanzeige des Sohnes.

Swimmingpool wird zugeschüttet

Der war gutbezahlter Mitarbeiter des Vereins und sah sich von seinem Vater als dessen Nachfolger eingesetzt. Doch der zweite Vorsitzende trennte sich von ihm. Die Folge des internen Zwistes: Das System Kardolsky wurde öffentlich demontiert. Die Spendeneinnahmen brachen zusammen.

Doch die Vereine sind nicht zusammengebrochen. Dieter Koenzgen kommt regelmäßig aus Bad Münder (220 Kilometer), um den Förderverein zu leiten. Das ehemalige Wohnhaus an der Recklinghäuser Straße, noch von Fritz Kardolsky gekauft, wurde inzwischen für die Schulungs-Bedürfnisse hergerichtet.

Gleich nebenan liegt das Gelände des Deutschen Hilfsdienstes, der mittlerweile auch einen neuen Vorsitzenden hat (Johann Renzhof, Stellvertreter Eugen Vetter). Seine Aufgaben sind der Transport von Blutkonserven und von Kranken. Früher wurde er überwiegend aus den Spenden des Fördervereins finanziert, heute muss er auf eigenen Beinen stehen.

Die Zentrale des Hilfsvereins und die Schulungsräume des Fördervereins sitzen auf nebeneinanderliegenden Grundstücken. Dazwischen finden sich noch die baulichen Reste aus komfortablen Zeiten: Hier hatte die Familie Kardolsky einen Swimmingpool mit Unterwasser-Beleuchtung und Gegenschwimmanlage. Die Technik ist inzwischen verkauft, die Grube muss noch aufgefüllt werden.

Das ist aber nur noch eine Nebenaufgabe. Viel wichtiger ist es, dass die Menschen wieder Vertrauen in die Arbeit des Fördervereins bekommen, betont Dieter Koenzgen. Die Hilfsdienste nach Osteuropa sind eingestellt, der Schwerpunkt liegt jetzt in Deutschland. „Wir müssen wieder Vertrauen finden“, fordert Koenzgen. Er ist zuversichtlich und hat schon konkrete Hilfsprojekte ins Auge gefasst.

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