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Aus luftiger Höhe auf die Kuhweide

Vest. Es ist einer der wenigen schönen Sonnentage in diesem Sommer. Eric Baltussen von ballonsport-marl ruft an und vermeldet, dass es ein guter Tag werde für eine Ballonfahrt.Und so machen wir uns auf den Weg zum Flugplatz Loemühle in Marl. Ich hatte meinem Mann die Fahrt zu Weihnachten geschenkt und als Sonntagsblatt-Mitarbeiterin darf ich mitfahren. Am Flugplatz warten noch weitere Anwärter auf ihre erste Ballonfahrt. Insgesamt werden zehn Personen den Korb bevölkern.Eric soll Recht behalten. Der Himmel klart auf und Eric und Assistent Matthias erklären uns Unerfahrenen zunächst einmal die Grundlagen. „Ballonfahren ist ein Abenteuersport und deswegen duzen wir Ballonfahrer uns. Zweitens: Es ist kein Sport, bei dem einer alles alleine macht, ihr müsst schon mit anpacken.“Dann geht es los. Der Korb wird von allen vom Hänger gezogen, der Ballon ausgepackt. Zwei Leute halten den Ballon auf, damit Eric mit dem Ventilator Luft hineinblasen kann. Ist genügend Luft im Ballon, schmeißt Eric den Brenner an, denn nur mit heißer Luft richtet sich der Ballon auf.Jetzt wird es spannend für uns. „Alle Mann an den Korb“, ruft Eric, denn sonst wäre er allein auf und davon.Kein Problem mit der HöhenangstWir halten den Korb unten und unser Ballonführer gibt Kommando, wer wann einsteigen darf. Das wird zur Kletteraufgabe, denn der Ballonkorb hat zu meinem Erstaunen keine Tür. Dann wird der Brenner betätigt, immer wieder zieht Eric an ihm, um den Ballon mit heißer Luft zu versorgen. Ein kurzer Ruf zum Tower – dann geht es los. Mulmig ist mir schon, aber wie Eric vorhergesagt hat, gibt es kein Problem mit Höhenangst. Schneller als gedacht, sind wir über den Baumwipfeln unterwegs in südöstlicher Richtung. Steuern kann Eric den Ballon kaum, er fährt mit dem Wind. Und das ist auch der Grund, warum wir den Wind nicht spüren. Zunächst geht es über die Felder Richtung A 43. Es ist erstaunlich, was wir aus dieser Höhe unten wahrnehmen können. „Schaut mal, ein Hase”, ruft Irmtraud Roth. Sie ist die Erfahrenste unter uns Debutanten, ist schon in Australlien, der Türkei und Kambodscha Ballon gefahren. „Es ist eine Häsin”, berichtigt Vladimir Paster, der mit seiner Frau Helena das Geschenk seines Sohnes genießt.Während wir dahinschweben schallen immer wieder Hallo-Rufe zu uns. Und auf der gesamten Fahrt werden wir von aufgeregten Hunden angekläfft.Wind und Höhe gehen ausSanft schweben wir dahin, vorbei an Prosper-Hospital, Rathaus, Bahnhof, Jahnschule, Justizakademie, Fachhochschule und vielem mehr. Bei der Liebfrauenkirche gehen uns der Wind und die Höhe aus. Erics Blick wird nun ernster. Er schaut aus nach einem Landeplatz und wird auch bald fündig. Die Rinderweide des Bauern Budde ist nun sein Ziel. Die Shortcut-Rinder staunen nicht schlecht, als das Acht-Tonnen-Teil auf sie zufährt. Eric betätigt den Brenner – das erschreckt die Tiere und sie nehmen Reißaus. „Festhalten“, ruft Eric und der Korb setzt auf, dann geht es wieder in die Höhe und wieder heißt es „Festhalten“. Endlich steht der Korb und Eric bestimmt, wer wann aussteigt. Inzwischen hat sich ein Menschenauflauf gebildet und auch die Polizei ist mit zwei Streifenwagen angefahren, um dem Schauspiel beizuwohnen.Doch für uns Zurückgebliebenen ist die Fahrt noch nicht zu Ende: Erich will auf das benachbarte Rapsfeld und dafür muss er den Elektro-Weidezaun überwinden. Auch das ist kein Thema. Die Beamten wurden alarmiert, weil der Ballon doch beträchtllich an Höhe eingebüßt hatte.Auch Bauer Budde hat sich auf seinem Traktor zum Ort des Geschehens aufgemacht. „Alles in Ordnung“, teilt der Polizei mit. Bauer Budde grinst über das ganze Gesicht. „Alles klar, die haben doch Parkgebühren gezahlt”, feixt er. Später erklärt er, dass wir die armen Rindvieher ganz schön in Stress versetzt hätten und Nachbarn verraten uns, dass wir von Glück sagen könnten, dass der Bulle nicht auf der Weide gewesen sei.Später bei der obligatorischen Taufe mit Feuer und Sekt erklärt Eric, dass er überall landen darf, selbst auf der Autobahn. Zweimal sei ihm das auf der A 42 passiert. „Ich habe damit kein Problem, wohl aber die Autofahrer“, schmunzelt der Holländer verschmitzt.Ab jetzt sind wir alle adeligDie Taufe ist ebenfalls ein Erlebnis für sich. Bekanntlich wird das Ballonfahren den Gebrüdern Montgolfier zugeschrieben. Sie aber schufen nur die Voraussetzungen und suchten Abenteuerlustige, die das gefährliche Unterfangen auch tatsächlich durchführten. König Ludwig XVI. versprach, die ersten Ballonfahrer in den Adelsstand zu erheben. Jean-Francois Platre de Roizier und Francios d ´Arlandes überlebten dieses Wagnis und seither ies es guter Brauch nach der Jungfernfahrt, auch die Debutanten in den Adelsstand zu erheben. Zu diesem Zweck wird ein Büschel Haare angeflämmt und mit Sekt gelöscht. Verbunden hiermit sind zwei Pflichten: 1. Niemals Ballonfliegen sagen, sondern -fahren und 2. innerhalb von 24 Stunden seinen neuen Namen auswendig zu kennen.Für ein Paar war die Fahrt ein ganz besonderes Erlebnis: Harald und Christiane Roth sind eigens aus Fröndenberg angereist, um ihren 15. Hochzeitstag zu feiern. „Das wird ein unvergessener Tag für uns bleibent”, freut sich Christiane nach der Taufe.Dies schrieb Luftfee Michaela, mutige Aeronautin von Marl bei untergehender Sonne bis zur sanften Landung bei Bauer Budde in Recklinghausen.

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