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Stadtgartengesellschaft scheiterte an Auflagen

Marl. Es gibt sie seit 74 Jahren, sie hat fast 350 Mitglieder und doch ist jetzt Schluss: Die Stadtgartengesellschaft – ein Marler Traditionsverein – soll aufgelöste werden, das hat der Vorstand beschlossen. Er hat seinen Zweck verloren, denn den Tierpark im Volkspark gibt es nicht mehr. Er ist an irrsinnigen Vorschriften und Gesetzen gescheitert.Die schöne Idee aus dem Jahr 1937 war stets ein unterhaltsamer Familienspaß und hatte zugleich mit den Widrigkeiten der Realität zu kämpfen. Flamingos und Hängebauchschweine gab es zu sehen, Papageien und Laufenten. Die Tiere wurden liebevoll betreut – aber nicht fachmännisch, rügten die Behörden und pochten auf Verordnungen und Gesetzen. Drei Dutzend einschlägige Texte waren zu beachten. Und wenn eine Anordnung befolgt wurde, schaffte man sich damit ein neues Problem: Für die Sittiche wurden Nistkästen verlangt. Darin vermehrten sich die Vögel und der Vereinsvorstand bekam prompt den Hinweis auf eine Ordnungswidrigkeit: Der Verein habe keine Lizenz zur Zucht.„Es geht halt nicht mehr“, zieht der Vorsitzende Robert Heinze nun Bilanz. Im vergangenen Jahr wurde der Bestand an den Tierpark Recklinghausen und nach Gladbeck abgegeben. In Recklinghausen steckte die Stadt mehrere 100.000 Euro in den Tierpark und beschäftigt mehrere Pfleger. Marl kann sich das nicht leisten.Genau genommen hatte Marl einen Zoo, denn es werden „Tiere zur Schau gestellt“. 260.000 Euro an Investitionen wären nötig gewesen. Zu viel für den Verein, dessen 20 Euro Mitgliedsbeitrag nicht einmal für die Personalkosten von 12.000 bis 15.000 Euro reichten. Immer wieder musste der Vorstand Lösungen finden: 17 Sorten Vogelfutter wurden verlangt, Tierarztkosten fielen an, Vandalismus machte Probleme.Deshalb hat der Vorstand die Auflösung des Vereins beschlossen. In dieser Woche sollten die Mitglieder dem zustimmen. Doch es waren nicht genug Mitglieder gekommen, deshalb gibt es nun am 14. September die Entscheidung.„Wenn die Mitglieder etwas anderes entscheiden, dann werden wir das auch machen“, kündigt Robert Heinze an. Es gab bereits ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Heimatsvereins, Hubert Schulte-Kemper. Der hat eine Zusammenarbeit angeboten, oder eine Fusion, oder eine Doppel-Mitgliedschaft. Dann könne man „eine kleine bäuerliche Konstellation mit Kräutergarten, einer Ausstellung für landwirtschaftliche Exponate und vielleicht auch eine Kleintierhaltung“ organisieren. Den Spielplatz könnte man attraktiv und kindgerecht gestalten.Letzteres kann sich auch Robert Heinze vorstellen. Dass dort irgendwelche Tiere gehalten werden, das ist aber für ihn unvorstellbar. Die Behörden wollten der Stadtgartengesellschaft nicht einmal zwei Goldfasane lassen.

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