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Heimat Deine Lieder

Vest. Die Heimat zu besingen, das ist etwas Erhebendes, Feierliches. Wer seine Heimatstadt liebt, der findet auch die passenden Töne und Worte. Recklinghausen hat seine Lieder und gar eine Symphonie, Haltern kennt kernige Gesänge, in Dorsten wurde gerade ein „Dorsten-Lied“ aufgenommen. Und Marl hat sich gar zu einer „NatioMarlHymne“ aufgeschwungen. Und sich damit ziemlichen Ärger eingehandelt.

Die Idee, zum 75. Stadtjubiläum in diesem Jahr ein eigenes Lied aufführen zu lassen, kam Bürgermeister Werner Arndt letztes Jahr. An Grönemeyer („Bochum“) dachte er, oder an das Westfalenlied. Denn bislang wird in Marl regelmäßig das Steigerlied gesungen, besonders gerne die Zeilen: „Die Bergmann«s Leut sein«s kreuzbrave Leut/ denn sie tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht/ und saufen Schnaps.“

Es gab einen Wettbewerb, neun Teilnehmer und mit dem „Müsic Pröjekt“ einen überlegenen Sieger im Internet. Und es gab Missgunst, Stimmungsmache, Vorwürfe: Plagiat, Schummelei, Betrug, Mogelei. Bei Facebook gibt es „Nein“-Aufkleber und Empfehlungen, sich für den Sonntag vorzubereiten.

Dann, um 16.45 Uhr, sollen beim Jubiläumsfest auf der Bühne am Rathaus die drei Bestplazierten ihre Stadthymnen vortragen. Das Konzert wird live aufgenommen und dann auf Platte gepresst.

Wenn es so kommt, wie man im Internet liest, dann hört man statt des Siegertitels nur ein Pfeifkonzert.

Entsetzt sieht Bernhard Maaß, was aus seinem Engagement wurde. Kritik, weil der Text auch nachdenkliche Worte hat. „Das glaubt uns doch kein Mensch, wenn wir Marl nur in den höchsten Tönen loben.“ Manipulationen bei der Stimmabgabe weist er von sich. Anlehnungen an einen Beatles-Song hat er aus einer früheren Version bereits eliminiert.

Dorsten hat die Uraufführung seine „Hymne“ bereits seit einer Woche hinter sich. Ralf Ehlert komponierte das Dorsten-Lied (Sing mit mir von dieser Stadt/ die mein Herz verzaubert hat) und sang es gemeinsam mit dem Männergesangverein 1948 Hervest-Dorsten.

Doch auch er hatte schon seine Probleme. Vor einem Jahr beklagte Gerd Lehmann, er habe bereits 1995 eine Version geschrieben und sie Ralf Ehlert überlassen. Der Song kam sogar einmal bis ins Radio, dann wurde es still.

Bis zur Stadthymne schafften es auch Adi Winter und das Recklinghäuser Akkordeonorchester mit „Wir sind Reck», Reck», Recklinghäuser“ nicht. Selbst die Symphonie von Georg Hahn zum 750-jährigen Geburtstag der Stadt fiel in Vergessenheit.

Und weil Stadthymnen eigentlich nicht auf große Resonanz stoßen, blieb auch der Vorschlag ohne Resonanz, Thomas Godoj oder Hape Kerkeling zum Komponieren eines neuen Songs zu bewegen.

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