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Behinderte an die Regelschule

Vest. Die Schullandschaft steht vor einer großen Herausforderung: Junge Menschen mit Behinderungen sollen in die Regelschule gehen können. Im Kreis könnten somit alle 24 Förderschulen geschlossen werden – im Idealfall. Die Diskussion hat gerade erst angefangen und viel Unsicherheit ausgelöst.Umgesetzt wird damit die „UN-Behindertenrechtskonvention“. Menschen mit Behinderungen sollen von Anfang an in die Gesellschaft aufgenommen werden. Nicht der behinderte Mensch muss sich der Gesellschaft anpassen, sondern die Gesellschaft muss ihre Strukturen anpassen und soll die Menschen nicht ausgrenzen.Also keine abgesonderte Förderung mehr, sondern ein „inklusives Bildungssystem“. Bislang werden Schüler mit körperlichen, seelischen oder geistigen Behinderungen in zwei Dutzend Förderschulen (die früher Sonderschulen hießen) von speziell ausgebildeten Pädagogen unterrichtet.Ein aufwändiges System, wie das Beispiel Marl zeigt, wo aktuell 455 Kinder unterrichtet und gefördert werden. In zwei Schulen mit dem Schwerpunkt „Lernen“, in einer mit dem Schwerpunkt „geistige Entwicklung“. 50 fahren nach Dorsten in eine gemeinsame Schule mit dem Schwerpunkt „Sprache“, weitere nach Herten („körperliche und motorische Entwicklung“).Mittlerweile kooperieren die beiden „Lernen“-Schulen, ab dem nächsten Schuljahr soll „Sprachen“ in Marl gefördert werden und nicht mehr nur in Dorsten. Darüber hinaus gibt es Kooperationen mit Einrichtungen und außerschule Partnerschaften – insgesamt ein aufwändiges Geflecht von Hilfen im gesamten Kreisgebiet.Das könnte nun zusammenbrechen. Denn wenn viele Behinderte in die Regelschule gehen, dann müssen sie auch dort von Fachpädagogen betreut werden, die in den Förderschulen nicht mehr gebraucht werden. Marl erwartet erhebliche Mehrkosten. Nicht zuletzt, weil auch die Schulen behindertengerecht umgebaut werden müssen.Schon jetzt können Behinderte eine Aufnahme in die Regelschule verlangen, bestätigt das Schulamt beim Kreis. In Marl sieht man aber Grenzen: Die gegebenenfalls nötige Herrichtung der Schule muss finanziell vertretbar sein.Und die Kostenfrage ist noch nicht geklärt. Marl geht davon aus, dass das Land die Kosten trägt, weil es auch der „Verursacher“ der Kosten ist.Am Ende könnte eine ganze Reihe von speziell hergerichteten Förderschulen leer stehen. Wann allerdings das Ende ist, das könne man nicht absehen, heißt es im Kreis. Der Prozess der Umorientierung könne sich über viele Jahre hinziehen.Bis dahin werden die Förderschulen bleiben: Fünf in Dorsten, zwei in Herten, drei in Marl, vier in Recklinghausen, zwei in Waltrop und je eine in Datteln, Haltern und Oer-Erkenschwick.

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