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Chaos in der Zahlstelle: Zwei Jahre Haft

Essen/Herten. Zu einer zweijährigen Haftstrafe (zur Bewährung) hat das Landgericht Essen eine 43-jährige Justizobersekretärin verurteilt. Unter anderem wegen Untreue in 91 Fällen.

Die Hertenerin, die als Justizobersekretärin am Amtsgericht Gelsenkirchen die Zahlstelle leitete, hatte seit 2007 ein wahres Chaos angerichtet (das Sonntagsblatt berichtete). Durch Manipulation der Bücher hatte sie 2007 bis 2009 rund 25.000 Euro zur Seite geschafft und es in verschiedenen Dosen in den Lagerräumen des Gerichtes versteckt. Wie hoch der tatsächlich verschwundene Betrag, lässt sich nachträglich nicht mehr ermitteln.

Die Hertenerin erklärte ihr Verhalten einerseits mit Arbeitsüberlastung, andererseits mit Gedächtnisverlust durch Alkohol und durch Medikamentenmissbrauch. Weder ihr Ex-Freund noch ihre Kollegen hatten etwas davon mitbekommen.

Dass sie außerordentlich stark belastet gewesen sei, das konnte ihr Verteidiger Burkhard Benecken belegen: Die Stelle der Angeklagten nehmen mittlerweile sieben Halbtagkräfte aus. Es sei auch fraglich, ob sie für die Taten in Frage kommen, weil auch andere Zugang zur Zahlstelle gehabt hätten. Die Hertenerin beteuerte, sie habe sich nicht bereichert und nicht strafbar gemacht.

Der Staatsanwalt war davon überzeugt, dass die Frau das Geld veruntreut habe, um damit ihre Schulden auszugleichen. Er forderte eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten.

Das Landgericht gab nur eine zweijährige Haftstrafe, aber auch noch eine Geldbuße von 5000 Euro. Noch schwerer wird sich für die Tochter eines Oberstaatsanwaltes auswirken, dass sie ihren Beamtenstatus und ihren Job verliert.

Kritik hatte das Gericht auch noch für das Gelsenkirchener Amtsgericht. Es habe zu spät die „Reißleine gezogen“. Das Gericht hatte im März 2009 einen neuen Leiter bekommen.

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