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Die Idealistin mit der Leiter

Oer-Erkenschwick (art). Verena Schmidt hechtet mit ihrer langen Leiter unterm Arm über das Parkdeck. „Die da hinten“, sagt sie, „die gehört hier nicht hin!“. Sie meint eine fette, graue Taube, die seelenruhig über den Asphalt spaziert. Verena Schmidt will das Tier fangen – und betreibt damit aktiven Tierschutz. Seit fünf Jahren.

Nicht viele Menschen bemühen sich derart um wilde Tauben, Nachkömmlinge der Felsentaube. Die Tiere werden getreten, verachtet und vergrämt – dabei machen sie gar nicht viel mehr, als Gurren, Flattern und Kacken.

„Taubenmist will ich auch nicht auf meiner Autoscheibe haben“, gesteht Verena Schmidt. Dennoch kommt sie einmal in der Woche auf das Parkdeck über Kaufland – „Eier austauschen“. Dafür holt sie die echten Eier aus dem Nest und legt Plastikexemplare hinein. Das reguliert die Population. Mit Erfolg: 2006 gab es auf besagtem Parkplatz rund 40 Tauben und genau 22 Nester – 2011 sind vier Tauben und zwei Nester übrig.

Die meisten Tiere hat sie eingefangen, überprüft, geimpft und wieder ausgesetzt. Einige Tauben hat sie in städtische Taubenschläge, etwa in Essen, vermittelt. „Ein öffentlicher Taubenschlag ist die Lösung aller Probleme“, glaubt Schmidt. „Wenn man das richtig anstellt, nisten alle Tiere an einem Ort.“

Die Resonanz in der Stimbergstadt ist weitgehend positiv: „Die Meisten schätzen, was ich tue. Obwohl mich ein wütender Mann neulich fast von der Leiter gezogen hätte: Er dachte, ich züchte hier oben Tauben.“ Sie zuckt mit den Schultern: „Für das, was ich tue, braucht man sehr viel Idealismus.“

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